Patriarchen-Problem

15. Dezember 2013

Dass die alte Ankündigung aus Genesis 2,24 familiensystemisches Fortschritts-Potenzial beinhaltet, wusste ich schon länger. Mit den Worten von Wilfried Härle neulich: Es dürfen ruhig noch mehr Männer entdecken, was es heißt, …

… seinen Vater und seine Mutter [zu] verlassen und seinem Weibe an[zu]hangen, …

… sprich: die Loslösung vom Elternhaus – äußerlich wie innerlich – hinbekommen.

Neu war mir dagegen die antipatriarchale Komponente der Bibelstelle: Dass es hier der Mann ist, der sich in Bewegung setzt, wertet ihn nicht etwa auf (etwa als Jäger, der seine Beute findet), sondern eher ab (als einzelnes Wesen, das sich selbst um eine Partnerin kümmern muss). Das muss auch Jesus gewusst haben, der Genesis 2,24 ausgerechnet zitiert, nachdem er die ihn angehenden männlichen Pharisäer auf ihres »Herzens Härte« und die ausschließlich daraus resultierenden Scheidungs-Gesetze angesprochen hat (vgl. Markus 10,2-12 par). Mit manch anderer biblischen Passage zum Themenbereich »Familie« (im weitesten Sinne) verhält es sich ganz ähnlich. Viele alttestamentliche Erzählungen etwa nehmen Polygamie (was im Kontext ja immer heißt: ein Mann, mehrere Frauen) keineswegs so neutral-unbekümmert zur Kenntnis wie gelegentlich unterstellt …

 

2 Kommentare zu “Patriarchen-Problem”

  1. Mathilda meint:

    Hallo Daniel. Hast du Beispiele für diese Polygamie-kritischen Stellen? Das wäre super. Ich bin gerade auch an dem Familienthema dran. Liebe Grüße! Mathilda

  2. Daniel meint:

    Da wäre zum Beispiel der Konflikt zwischen Hagar und Sarai – so glatt war das offenbar nicht mit Abrahams zwei Frauen … Und die sieben Jahre, die Jakob arbeiten musste, um endlich Rahel zu bekommen, dürften für seine erste Frau Lea auch nicht so toll gewesen sein, geschweige denn die Zeit danach …

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