Passions-Spiel

26. März 2013

Auch dieses Jahr besucht die Evangelische Kirchengemeinde Zuffenhausen in der Karwoche »Orte der Passion«: Wo Menschen leiden und/oder Leidenschaft zeigen, wird gemeinsam Andacht gefeiert.

Heute Abend ging es auf den Bahnhofsvorplatz, … wo sich ein Großteil der hiesigen Spielcasinos angesiedelt hat (pikanterweise gemeinsam mit Stadtteilbibliothek und Musikschule …). Ein gutes Dutzend dieser Etablissements gibt es vor Ort. Was sich hinter den bunt folierten Türen abspielt – stets von 6.00 Uhr [!] bis 24.00 Uhr« –, war mir bisher ein Rätsel gewesen. Grund genug für eine nächtliche Tour mit einem Feldforscher im selben Alter. Fünf Spielhallen in knapp drei Stunden – es wurde ein … interessanter Abend. Was bleibt mir im Kopf?

  • Die alte Dame hinter dem Tresen, die uns erst mütterlich in diverse Automatenspiele einführte, dann mit verschiedenen Restriktionen aufwartete (gemeinsam vor einem Automaten? Pustekuchen!) … und uns dann resolut rausschmiss, weil wir uns – brav an zwei Automaten sitzend – zu viel unterhielten (»… stören beim Spielen …«).
  • Der joviale Barkeeper, bei dem wir die bestellte Cola (Alkoholausschank ist gesetzlich verboten) weder nach Erhalt noch ganz am Schluss bezahlen durften (genauso wenig wie Salzstangen und Bonbons). Wohl frei nach dem Motto: »Damit die beiden Neuen auch mal wieder kommen …«
  • Der an zwei Automaten parallel zockende Kunde, dessen virtueller Geldspeicher knapp 200 Euro aufwies (ich will nicht wissen, wie viel er reingesteckt hat …).
  • Die gewaltigen Unterschiede, was Größe, Ausstattung und Ambiente der Räume angeht. Von der beengt-verrauchten Spelunke bis zur funkelnden Riesen-Halle mit offiziell bescheinigtem »Casino-Feeling« war alles dabei.
  • Der – mit sorgsam abgeklebten Fensterscheiben gezielt inszenierte – Kontrast zwischen den Welten draußen und drinnen. Kein Wunder, dass man sich da rasch mal vergisst …
  • Die unwirklich wirkende musikalische Untermalung – eine Mischung aus Easy Listening und Automaten-Gedaddel.
  • Meine letzte virtuelle Roulette-Runde. Mit der Martingale-Methode habe ich tatsächlich ganze 60 Cent Gewinn gemacht. Aber es war knapp. Und langfristig verliert man immer …
  • … die Frage, wie die entsprechende »fresh expression of church« aussehen könnte. Oder schlicht: Was Jesus im Spielcasino gemacht hätte (denn dass er reingegangen wäre, daran besteht doch kein Zweifel) …
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    4 Kommentare zu “Passions-Spiel”

    1. Steffen meint:

      “…denn dass er reingegangen wäre, daran besteht doch kein Zweifel.”

      ER hätte vom Reich Gottes geredet und wäre sicher rausgeflogen…oder eben gerade dort nicht?
      Da fallen mir ganz viele Orte ein, doch trauen wir uns als Kirche Christi da wirklich überall hin für “fresh expressions”?
      Was ist mit den Bordellen oder dem Straßenstrich?
      Leidensort aus zweierlei Sicht möglich: Die sehnsüchtigen Freier, die wer weiß was alles suchen, letztlich leer ausgehen müssen (wie eben die Spieler und andere Süchtige auch) und nat. die Frauen, die sicher nicht zu beneiden sind und von denen mir keiner erzählen kann, dass sie “freiwillig” da sind.
      Hat bisher was von investigativem Journalismus, oder?
      Habt ihr auch vom Evangelium erzählt? Denn dann wird es ja erst zur »fresh expression of church«
      Wie z.B. die Mitternachtsmission im Rotlichtmilleu…versch. Städte.

    2. Daniel meint:

      Zunächst war es einfach eine Privat-Erkundung …

    3. Steffen meint:

      …die ich übrigens sehr gut und auch wichtig finde, denn es ist ja nun mal nicht (sag ich mal) unsere tägliche Realität.
      Ein Überdentellerrandschauen, das sicher einfließen kann in die “Arbeit” für Christus.
      In Richtung “fresh expression of church” denke ich auch gerne…

    4. Steffen meint:

      Da macht ein Bruder uns vor, wie es mit Kirche wieder gehen kann, oder?

      “Franziskus selbst wird noch am Donnerstag im römischen Jugendgefängnis Casal del Marmo erwartet. Dort will er den traditionellen Abendmahlgottesdienst nach dem Vorbild Jesu zelebrieren und dabei zwölf jungen Insassen mehrerer Nationalitäten und Religionen die Füße waschen.”

    Deine Meinung?!