Pannenberg-Projekt

31. Januar 2007

…bin endlich durch! Band 1 der »Systematischen Theologie« von Wolfhart Pannenberg war dann doch dicker und dichter als erwartet. Und meine Zeit knapper als erhofft.

Es ist bewusst das letzte »größere« Projekt meines Theologiestudiums – und bei allen Schwierigkeiten hat es sich bisher gelohnt, würde ich sagen.

Wenn ich mir solche Mammut-Werke vornehme, geht es mir nicht darum, jedes Detail zu behalten. Wenn Pannenberg quasi nebenbei die wichtigsten philosophischen Denksysteme der letzten vier Jahrhunderte erörtert oder im Schweinsgalopp durch die theologische Historie reitet, wird es schwierig. Ein allgemeines Gespür dafür zu bekommen, wie der Autor Theologie treibt – das ist auch schon was. Und wenn man dann noch bestimmte Kerngedanken wahrnimmt und gelegentlich wiedererkennt, ist das besonders schön.

Sehr ergiebig war übrigens die Lektüre einer heftigen Debatte zwischen Pannenberg und Eberhard Jüngel in der Zeitschrift für Theologie und Kirche (ZThK) von 1989: Letzterer wird in der »Systematischen Theologie« regelmäßig scharf attackiert – und antwortet mit einer gewohnt süffisant-ironischen Rezension. Herrlich! Vandenhoeck & Ruprecht hat seinerseits gekontert: Aus Jüngels eindeutiger Überschrift – »Nihil divinitatis, ubi non fides. Ist christliche Dogmatik in rein theoretischer Perspektive möglich? Bemerkungen zu einem theologischen Entwurf von Rang« hat man nur die letzten fünf Worte aufgegriffen – und sie als Urteil über Band 1 aufs Cover des zweiten Bandes (1991) gesetzt… Fies!

Finde es sehr, sehr schwierig, mich zwischen Pannenberg und Jüngel zu entscheiden. Die beiden sind in einigen zentralen Punkten verschiedener Meinung. Während z.B. Barth-Schüler Jüngel ganz klassisch »offenbarungstheologisch« argumentiert (was auch immer das heißen soll…), ist für Pannenberg die – offene! – Frage nach der Wahrheit der christlichen Lehre geradezu das Hauptthema der Dogmatik. Rein gefühlsmäßig tendiere ich (nicht nur in dieser Frage) immer noch zu Jüngel. Frage mich aber manchmal, ob das biographisch bedingt ist (für mich war das Zum-Glauben-Kommen eine ganz einschneidende Erfahrung »senkrecht von oben«, an der ich selbst völlig unbeteiligt war). Und auch Pannenberg argumentiert höchst überzeugend – und nimmt z.B. gerade die Pluralität der Religionen sehr ernst.

Überhaupt finde ich es faszinierend, wie unbefangen Pannenberg über den theologischen Tellerrand hinausblickt: Z.B. sieht er eine wesentliche Ursache dafür, dass der Gedanke Gottes als Schöpfer und Erhalter der endlichen Dinge für die neuzeitliche Mainstream-Theologie problematisch wurde, in der Entdeckung des (physikalischen!) Trägheitsprinzips durch Isaac Newton (vgl. Bd. 1, 100). Wenn Körper auch ohne neue Impulse in Bewegung bleiben, reicht schließlich auch ein Uhrmacher-Gott, der die Welt einmal angestoßen hat. Und eine der Pointen von Pannenbergs Trinitätstheologie ist die Beschreibung des Heiligen Geistes als universales Kraftfeld – frei nach Michael Faraday (vgl. u.a. Bd. 1, 414).

Es bleiben noch 1.200 Seiten. Glaube nicht, dass ich die komplett schaffe. Jetzt haben erst mal andere Sachen Vorrang. Am Freitag spielt der KSC gegen die Kickers aus Offenbach.

 

2 Kommentare zu “Pannenberg-Projekt”

  1. Felix Körner, Ankara meint:

    So richtig klar (und umwerfend) wird Pannenbergs Theologie erst mit dem zweiten Band der Systematischen Theologie. Also, dringende Empfehlung, den auch noch zu lesen.
    Ist nicht gerade für einen Menschen, der nicht aus einer selbstverständlichen Gläubigkeit kommt – wie das für Pannenberg, und Dich offenbar auch, zutrifft -, der Ansatz beim allgemein Zugänglichen überzeugender? Denn so wird die Theologie vergewissernder Nachvollzug dessen, was Du im Glauben erkannt hast, der uns davor bewahrt einer selbstgeschneiderten Ideologie aufzusitzen.

  2. Daniel meint:

    Hmm…so habe ich das noch gar nicht gesehen… Aber stimmt – Theologe findet ja IMMER a posteriori statt…und ist somit auch im Fall von Pannenberg “vergewissernder Nachvollzug” von Glaubensdingen. Vielleicht hängt meine Unsicherheit in dieser Frage damit zusammen, dass Theologie ja auch für andere geschieht – u.a. Menschen, denen das Christentum aktuell (noch) nichts sagt. Und da fällt die Glaubenskomponente ja erst mal raus, wenn ich sie nicht “senkrecht von oben” postuliere. Werde da weiter nachdenken…

    Der zweite Band ist lesenswert…alles klar. :) Mal sehen.

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