Nur für mich?

16. November 2013

Unsere Tochter – gut 15 Monate alt – will ihre Mama regelmäßig nur für sich haben. Dann stört jede Person, die sich auch noch dazuzugesellen wagt – und sei es der (ansonsten kaum minder geschätzte) Papa …

Genau derselbe Reflex kommt gelegentlich auch in religiösem Gewand daher. Im Anmarsch zum Gottesdienst am Buß- und Bettag bin ich mal wieder drauf gestoßen, in Lukas 13. Da fragt jemand Jesus auf dem Weg nach Jerusalem:

Herr, meinst du, dass nur wenige selig werden? (Lukas 13,23)

Dahinter kann tiefe, ernst gemeinte Sorge stehen: Kann das denn sein, dass Gott so viele ausschließt? Muss Jesus da nicht umgehend verneinen?

In genau derselben Frage kann aber auch so etwas wie Genugtuung mitschwingen: Wer nicht selig wird, hat es wohl nicht anders verdient. Und ist es nicht wesentlich komfortabler, Gott nur mit wenigen Menschen teilen zu müssen? Hoffentlich wird Jesus jetzt betroffen nicken – und mit verlockender Grabesstimme bejahen …

… die in jedem Fall mitgedachte Glaubens-Selbstsicherheit lässt Jesus dann jäh zerplatzen – indem er auf eine klare Antwort verzichtet und den Fragesteller samt Umstehenden flugs in die Menge »draußen vor der Tür« eingruppiert. Während sich drinnen aus allen Himmelsrichtungen ganz andere Menschen einfinden, die Gottes Güte gemeinsam genießen, sie auch anderen Menschen gönnen – offenbar eine entscheidende Bedingung für das Fest in Gottes Reich.

Karl Barth soll mal gefragt worden sein: »Nicht wahr, Herr Professor, wir sehen doch all unsere Lieben im Himmel wieder?« Seine Antwort: »Ja, ja, aber die anderen auch!«

… manchmal entdeckt sogar meine Tochter, dass Umarmungen zu dritt noch schöner sind. Es gibt also noch Hoffnung.

 

2 Kommentare zu “Nur für mich?”

  1. Bernhard Elser meint:

    …womit wir wieder um eine klare Ansage herumgekommen sind, aber dem Skopus des Bibelwortes nicht gerecht werden.

    Wo es eine Tür gibt, da gibt es ein “drinnen” und ein “draußen”. Und wo eine Tür “verschlossen” worden ist, da gibt es ein “zu spät”. Sympathisieren mit Jesus genügt nicht, es braucht eine kristallklare Entscheidung! (V. 26-27)

  2. Daniel meint:

    Natürlich gibt es Drinnen und Draußen (und keine Sorge – auch in meiner Predigt von vergangener Woche …). Nur: Der Clou in diesem (!) Text ist doch gerade, dass diejenigen draußen bleiben, die gerade noch dachten, sie seien drinnen. Und ich kann mir schon vorstellen, dass auch diese Selbst-Sicherheit uns unkenntlich macht für Jesus. So dass er dann fragen muss: “Wer seid ihr eigentlich?”

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