Neues vom Namenlosen

19. September 2013

Im Lukasevangelium erzählt Jesus das Gleichnis »Vom reichen Mann und armen Lazarus« (Lukas 16,19-31). Eine drastische Geschichte, in der das Opfer mit Namen genannt wird, während der Täter namenlos bleibt.

Bisher habe ich darin vor allem Gottes Aufwertung der Schwachen gesehen – und dementsprechend die Abwertung der Starken (bis heute sprechen wir ja davon, dass Menschen ihren Namen verlieren). Im Rahmen einer Tagung bin ich gestern auf zwei ganz andere Gedanken gekommen:

  • Dass der Täter nicht mit Namen genannt wird (oder gar mit Postadresse – man denke an entsprechende Vorgehensweisen in anderen Ländern dieser Erde), schützt ihn vor dem Zugriff durch Dritte. Bestraft wird er allein von Gott, das genügt.
  • Gleichzeitig wird uns als Leserinnen und Lesern der bequeme Ausweg versperrt, die beschriebene Tat – in diesem Fall: übermäßigen Reichtum – ausschließlich mit diesem einen Täter von »damals« zu identifizieren. Das Problem bleibt aktuell. Und wer richtend mit dem Finger zeigt, hat prompt sich selbst übersehen. Denn der Namenlose kann überall stecken. (Noch eine lohnende Leerstelle also!)
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    2 Kommentare zu “Neues vom Namenlosen”

    1. Bernhard Elser meint:

      …und die Folge “der Tat”, nämlich die Hölle. Womit wir wieder beim Thema wären. Was aber natürlich gerne zu Gunsten der “Arm-Reich”-Thematik wieder unter den Tisch gekehrt wird… Oder?

    2. Daniel meint:

      Die Hölle nicht, finde ich. Aber in der Frage, was und wo die Hölle ist, gehen die Meinungen auseinander, das stimmt. Daran denke ich gerade viel rum.

    Deine Meinung?!