Mozart innovativ

21. August 2012

Vier Wochen her ist es inzwischen, das große Stuttgarter Don-Giovanni-Spektakel. Und die SWR-Mediathek bietet leider nur noch die Vorab-Ankündigung aus der »Landesschau«. Die hiesige Premiere der berühmten Mozart-Oper Ende Juli wurde erstmals live übertragen: im Fernsehen, im Internet, auf Großleinwänden zudem hinaus in den randvoll besetzten Schlossgarten. Auch Dirigent Antony Hermus ließ sich bei der Arbeit beobachten. Und eine mobile Kamera blieb (ausgerechnet) Entertainer Harald Schmidt auf den Fersen, der hinter den Kulissen aktiv war, dort Bühnentechniker interviewte, Sängern vor ihrem Einsatz über die Schulter schaute – und während der Pause die Public-Viewing-Stimmung einfing. Zu Hause hatte man je nach Kanal die Wahl, was man wann und wie sehen wollte.

Alles in allem ein beeindruckend innovatives Projekt, finde ich! Mit Potenzial, das Genre »Oper« auch über die üblichen Zielgruppen hinaus bekannt(er) zu machen. Obwohl natürlich auch manch kritische Rückfrage bleibt: Wussten die sich auf der Wiese räkelnden Leute (und Pärchen :-) ), wie ausführlich sie mit der Kamera eingefangen werden? Waren die (erfolglosen) Versuche, sie live zum Mitsingen der berühmten Arie »Reich’ mir die Hand, mein Leben« zu bringen, nicht ein wenig zu übergriffig, … und Schmidts halbstündige Pausen-Moderation nicht ein wenig zu länglich? Zuletzt: Könnte die Sache rein betriebswirtschaftlich nach hinten losgehen? So sehr ich »Don Giovanni« mag, – ob ich jetzt noch eine »ganz normale« Aufführung besuche, weiß ich nicht so recht …

 

Ein Kommentar zu “Mozart innovativ”

  1. Sibylle Luise meint:

    Ich bin für jeden Versuch, die Oper einem breiteren Publikum nahe zu bringen. Ich habe nur langsam den Verdacht, dass alle Innovationen nichts nützen, wenn dann auf der Bühne “Regietheater” veranstaltet wird, der Don als Rocker in schwarzem Leder auftritt (unvergessen in der Beziehung eine Inszenierung, in der Sir Thomas Allen – für mich einer der bestens Dons unserer Zeit – als Quasi-Rocker jede Menge Rockerbräute abgeschleppt hat. Er war da nämlich schon ein bisserl älter und trotz meiner ausgeprägten Sympathie für ihn und obgleich er eine sensationelle Stimme hat: Sein Bauch in Leder war nicht so wirklich der Knaller) oder – das hatte ich mal im Don Carlos – König Philipp in einer Art Transportkiste haust, eine alte Unterhose und eine Pappkrone trägt. Ich bin inzwischen so weit, dass ich in Stuttgart in der Oper meist die Augen zumache und denke: “Wenigstens an der Musik können sie nicht rumschrauben!”
    Ich erwarte keineswegs das, was Sir Thomas mal – in Bezug auf Mozart – die “Pralinenschachtel-Produktion” genannt hat. Bei mir muss der Figaro nicht mit weißer Perücke in der Kniehose über die Bühne hüpfen. Aber wenn der Onegin auf einer Baustelle gegeben wird und Tatjana als Businessfrau mit Bauplan und Helm auftritt, dann frage ich mich echt, was das eigentlich soll.

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