Mitfahrgelegenheit – Faszination der Gegensätze

23. November 2007

So begeistert ich letzte Woche über eine ganz besondere Mitfahrgelegenheit berichtet habe, so konsterniert fällt der Bericht über mein jüngstes Erlebnis aus. Das musste noch sein, bevor ich schlafen gehe. Als ob es nicht genügend Ambivalenz im Leben gäbe…

Mittwoch, ca. 19.00 Uhr: Erfahre, dass die am Vormittag für den Folgetag vereinbarte Mitfahrgelegenheit ins Wasser fällt. Fahrer hat Magen-Darm-Probleme. Kann ich verstehen. Trotzdem schade – wir wären von Tübingen fast bis nach Marburg gekommen…

Mittwoch, 19.45 Uhr: …eine Alternative ist organisiert: Ein VW-Bus mit Fahrtziel Göttingen. Aber es sei gar kein Problem, uns in Fulda am Bahnhof rauszulassen (wo dann im Nahverkehr das Hessenticket gilt).

Donnerstag, 15.00 Uhr: Alles läuft nach Plan. Fahrer und Auto sind da. Netter Plausch.

15.30 Uhr: Der Wagen ist voll – und es geht los…

15.35 Uhr: Noch ein Tank-Stopp. Das Geld wird jetzt schon eingesammelt (durchaus nicht unüblich). Aus unseren vorher vereinbarten 18,00 € (für genau 300 Kilometer) werden flugs »18,00, also 20,00 €«. Ich bezahle kommentarlos (für uns beide zusammen) 36,00 €.

17.30 Uhr: Mit den anderen Mitfahrern – allesamt Studenten – haben sich sehr nette Gespräche ergeben.

18.00 Uhr: Nebenbei fällt uns auf, dass Fahrer und Beifahrer vorne nicht mehr allzu gut gelaunt zu sein scheinen. Klar – der Verkehr ist dicht, aber das kommt ja schon mal vor auf der Autobahn…

18.30 Uhr: Fulda naht. Der Fahrer erkundigt sich, ob es da eine Raststätte gebe. Das ist uns herzlich egal – vereinbart war ja der Bahnhof (der per Zubringer gut erreichbar ist).

18.45 Uhr: Ein unangenehmes Gefühl macht sich breit. Meine (sicher etwas ungeschickte) Bemerkung, ganz genau wüsste ich den Weg zum Bahnhof nicht, aber der Weg sei meines Wissens gut ausgeschildert, wird mit einem hingebellten »Andere wollen hier auch noch ankommen!« quittiert.

18.46 Uhr: Leider erreiche ich meinen Vater nicht telefonisch – der wüsste genau, wo es langgeht…

18.49 Uhr: Um ein Haar verpassen wir die entscheidende Ausfahrt. Wir merken: Jetzt gilt es. Abwechselnd machen wir den Fahrer auf die richtige Verkehrsführung aufmerksam.

18.52 Uhr: Parallel wird der Versuch gestartet, den Fahrer abzulenken – und über seinen »interessanten« Beruf auszufragen. Schlechte Idee. Sein Chef sei ein A… Und wir – ob wir studieren würden?! Kleinlaut bejahen wir. Das würde er seinen Kindern schon aus dem Kopf schlagen. Die Information, dass wir Theologie studieren und obendrein noch auf dem Weg zu einer entsprechenden Tagung sind (»Ach du Sch…!«), tut ihr Übriges. Ministrant sei er nur gewesen, um Geld zu verdienen. Und wer uns eigentlich mal finanzieren würde? Religionspsychologisch sehr interessant, denke ich. Habe aber die dumpfe Ahnung, dass jetzt keine Argumente mehr gefragt sind.

18.53 Uhr: Zum Glück geht es nach »Fulda Zentrum« immer geradeaus… Trauen uns kaum noch, was zu sagen.

18.56 Uhr: Praise the Lord! Nur ein Schild. Aber was für eins. Ein Wegweiser. »Bahnhof«.

18.58 Uhr: Sind da! Fahrer meckert über fehlende Wendemöglichkeiten – bis er die Wendeplatte entdeckt. Dann weigert er sich standhaft, anzuhalten, weil hinter uns Autos seien. Können keine entdecken. Merken: Die nächste (hoffentlich letzte!) Herausforderung wird darin bestehen, binnen Sekunden all unsere Sachen aus dem Kofferraum zu bekommen, darunter zwei relativ wertvolle Klarinettten…

19.00 Uhr: Geschafft! Im Nieselregen zählen wir unsere Sachen, während der Bus schon wieder beschleunigt. Zumindest unsere Mitfahrer haben uns nett verabschiedet.

19.01 Uhr: Haben doch was im Auto vergessen: Eine Tüte mit unzähligen hartgekochten Eiern (Rest-Crêpe-Zutaten vom Tag der offenen Tür). Es sei ihm gegönnt…

19.08 Uhr: Perfektes Timing! Schaffen gerade noch den nächsten Zug – total erledigt, aber auch ganz schön dankbar… Fahren zwar noch einen riesigen Schlenker (erst eine Stunde Richtung Süden nach Frankfurt, dann endlich nach Marburg). Auch die preisliche Ersparnis ist gering (bei dem Tempo hätten wir alles via Regionalbahn fahren können…). Aber trotzdem: Wieder mal ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst.

…und ich freu mich auf unsere Tagung! :-)

 

Ein Kommentar zu “Mitfahrgelegenheit – Faszination der Gegensätze”

  1. Elisabeth meint:

    Hi Daniel,

    Leider fiel mir zu spät ein, dass Ihr das Ganze etwas unproblematischer hättet haben können. Eine Freundin aus der Klinik fuhr am Donnerstag gegen 14.30 Uhr nach Marburg… Na ja, solche Erlebnisse haben ja auch was Verbindendes. Gibt es auch wieder eine spannende Rückfahrt?

    Herzlichen Gruß,

    Mama

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