Menschlicher Ober-Jünger

17. Februar 2011

…ein kleiner Auszug aus meiner Urlaubs-Lektüre:

Diese ganze Geschichte aus dem Evangelium, mit seiner Besetzung aus durchweg unmöglichen und nicht gottesfürchtigen Menschen, wird zu einer Farce, wenn wir zu Petrus gelangen. Er ist der einzige, den Jesus einen Teufel nennt (Markus 8,33); er ist der einzige, der Jesus direkt verleugnet (Markus 14,66-72); seine erste Antwort bei jeder Begegnung ist immer falsch; und doch ist er zweifellos der eine, den Jesus zum Sprecher und zum Symbol für dieses ganze neue, von ihm ins Leben gerufene Unternehmen macht. [...]
Petrus ist unzweifelhaft der Jedermann bzw. die Jedefrau. Petrus ist die Menschlichkeit in ihrer liebenswertesten, aber auch entmutigendsten Form. Petrus hat einen ungebildeten, Arbeiter-typischen Zugang zum Leben. Er filtert die Dinge nicht durch seinen Kopf wie die Leute, die Bücher wie dieses hier schreiben. Er filtert das Leben durch eine unmittelbare, instinktive Reaktion, was bedeutet, dass er es gar nicht filtert. [...]
Was für ein Jammer, dass wir ausgerechnet Petrus, der das unermesslich hoffnungsvolle Symbol für das Menschsein ist, mit Tiara und Flitterkram ausgestattet haben. [...] Jesus gab uns Petrus, um unsere offensichtliche Fehlbarkeit und unser für Gott sehr brauchbares Scheitern zu bestätigen, und wir drehten ihn um und machten ihn »unfehlbar« – die einzige Eigenschaft, die sich durch sein Leben niemals belegen oder darstellen lässt.

 

3 Kommentare zu “Menschlicher Ober-Jünger”

  1. birgit meint:

    Das ist toll! Der Herr Rothe ist Katholik, gell?

  2. Daniel meint:

    Ja. Man glaubt es kaum, was? ;-)

  3. Daniel meint:

    Jetzt, genau ein Jahr später, entdecke ich den Fehler: Der Herr heißt Rohr, nicht Rothe! :-)

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