Männliche Mogelpackung

27. Februar 2012

Das Buch Rut im Alten Testament … beginnt wie eine typische Männergeschichte:

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, …

Ach ja, der Mann hat auch noch wen mit dabei:

… mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. (Rut 1,1)

Auch bei der anschließenden Namensnennung bleibt die Reihen- und Rangfolge klar:

Der [Mann] hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. (Rut 1,2)

Der anschließende überraschende Zwischenfall …

Und Elimelech, Noomis Mann, starb, …

… stört die Szenerie nur kurz:

… und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. (Rut 1,3)

… nun gut, dann geht es eben mit den beiden Stammhaltern weiter:

Die nahmen moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut.

Bis …

Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon, …

… binnen von fünf Versen (geht’s effektiver?) alle einst vorhandenen Männer beseitigt sind. (Was sich im Hebräischen übrigens schon vorher andeutet: Machlon heißt »Krankheit«, Kiljon »Schwindsucht« …)

… so dass die Frau beide Söhne und ihren Mann überlebte. (Rut 1,4f.)

Jetzt geht die Geschichte erst so richtig los. Jetzt übernehmen Noomi und Rut. Und letztere – immerhin eine reinblütige Moabiterin! – wird dann prompt die Urgroßmutter von Israels König David. Was das Buch Rut aber trotzdem nicht zu einer Männergeschichte macht.

 

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