Kurzzeit-Perspektive

28. Juni 2011

»Wer kotzt, lebt länger«, verrät uns die Bibel in Psalm 90,10a: »Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre«…

Dass diese Altersangaben das historisch übliche Maß beide weit übertreffen, zeigt Thomas Pola in den aktuellen »theologischen beiträgen«. Über dem ersten Kapitel seines Aufsatzes prangt die Feststellung: »Die Lebenserwartung in der alttestamentlichen Zeit lag im Normalfall bei höchstens 40 Jahren«.

Sicher, das hatte ich schon mehrfach gehört. Aber diesmal packte es mich. Was passiert mit den alttestamentlichen Bibeltexten, wenn man sie aus dieser radikalen Kurzzeit-Perspektive liest? (Was die Menschen in manchen Regionen Afrikas bis heute ganz automatisch tun…) Wenn man mit 40 nicht »gescheit« ist, sondern unter Umständen schon tot, – ob sich dann so manche Aussage relativiert, so manche verschärft? Spontan denke ich zum Beispiel an Psalm 8,6, wo der Mensch »wenig niedriger gemacht [ist] als Gott«. Von seiner Lebenserwartung scheint dieses Qualitätsmerkmal nicht abzuhängen…

 

Ein Kommentar zu “Kurzzeit-Perspektive”

  1. Tina meint:

    finde ich sehr spannend. danke für diesen denkanstoß!

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