Kritik der Gekränkten

23. September 2011

In (s)einem »ZEIT-Portrait« neulich hat Rechtswissenschaftler Christoph Möllers betont, »dass ihn vor allem die Theorie umtreibe«. Was den zuständigen Redakteur merklich überraschte. Denn eben derselbe Möllers »ist öffentlich viel sichtbarer als die meisten Kollegen. Sein populäres Büchlein über "Zumutungen und Versprechen" der Demokratie ist ein Glücksfall durchsichtiger Vermittlung komplexer Materie.«

… und tatsächlich: Das erwähnte Taschenbuch ließ sich auch im Urlaub flott lesen. Gut sortierte Kapitel und zahlreiche Verweise zwischen den einzelnen Thesen erleichtern die Lektüre. Ganz zu schweigen von den prägnanten Positionen. Als Beleg … Schluss-These 173:

Viel vom Ressentiment gegen die Demokratie entstammt der Kränkung darüber, dass wir weder allein auf der Welt noch wichtiger als die anderen sind. Wir wollen unseren Willen bekommen, doch in der Demokratie bekommen wir ihn eher selten als öfter. Wir sind uns selbst näher als den anderen, aber die Demokratie reduziert uns – nicht überall, aber doch für den wichtigen Bereich der Politik – zu Gleichen, gleich mit Dummen und gleich mit Armen. Es ist leicht zu sehen, warum Demokratie gerade bei Gruppen, die sich selbst für Eliten halten, nicht immer beliebt ist. Aber die demokratische Zumutung der Demut mag ihnen nicht nur im politischen Leben weiterhelfen.

 

Ein Kommentar zu “Kritik der Gekränkten”

  1. peregrinatio » Ein blaues Lüftchen meint:

    [...] Eliten stehen, wie ich bei Daniel Renz las, auch nicht mehr geschlossen hinter der Demokratie, weil ihnen da zu oft gewöhnliche Leute [...]

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