Krippe und Sarg

29. Dezember 2012

Links und rechts ist sie kunstvoll verziert. Aber insgesamt wirkt diese Krippendarstellung aus dem vierten Jahrhundert nach Christus (Mausklick vergrößert) doch relativ karg:

Das Jesuskind – in einer harten Krippe, eingezwängt zwischen Ochs und Esel. Ohne Maria und Josef, ohne Hirten, ohne Weise aus dem Morgenland. Und erst recht ohne Engel. Kein Vergleich mit gotischen Gemälden oder Barock-Skulpturen!

… am Geld dürfte es nicht gelegen haben. Davon hatte der Auftraggeber – am rechten Rand dargestellt? – vermutlich genug. Die Szene hat einen tieferen Sinn. Sie findet sich nämlich auf dem Deckel eines antiken Sargs. Dort also, wo Menschen genauso einsam liegen wie das Jesuskind in seiner Krippe. Aber – liegt da überhaupt das Jesuskind? Und ist es nur eine Krippe?

Der Blick in eine antike Steinmetzwerkstatt in Algerien …

… verrät: Krippe und Sarg verdanken sich demselben Herstellungsvorgang! Für beide Gegenstände fertigte man einen hohlen Quader aus Stein. Ohne Deckel wurden sie zu Futtertrögen, mit Deckel zu Särgen.

… eine ungemein tröstliche Perspektive, finde ich. Dort, wo wir im Tod liegen werden, … hat Jesus schon längst gelegen. Die Einsamkeit, die im Sarg auf uns wartet, … hat er bereits in der Krippe durchlitten.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

… heißt es in Psalm 139,3. Und dann, in Vers 8:

[B]ettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

 

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