Kontrasterfahrung

6. Februar 2015

Die Stadt Stuttgart besucht alle frisch gebackenen Eltern. Einige Wochen nach der Geburt kommt jemand vom Beratungszentrum Jugend und Familie vorbei – nach Voranmeldung und nur, wenn wirklich gewünscht.

Vor rund zweieinhalb Jahren war das eine richtig schöne Sache bei uns: Wir kamen gut ins Gespräch mit der Mitarbeiterin, haben auch ein paar neue Dinge erfahren – und fühlten uns zu keinem Zeitpunkt kontrolliert (dieser Aspekt ist ja durchaus ein wenig heikel).

Auch dieses Mal wurde uns ein Besuchstermin vorgeschlagen. Meine Frau hatte da schon einen Termin im Kalender, aber auch allein hielt ich mir das Zeitfenster gerne frei. Heute Vormittag klingelte es dann. Eine Dame eilte die Treppe hinauf. Auf meine einladende Handbewegung hin schreckte sie aber förmlich zurück. Sie könne mir das Begrüßungsgeschenk (eine Stofftasche mit Badehandtuch und dem praktischen Elternbegleitbuch) auch einfach so geben. Was sie dann auch umgehend tat. Ihr Name stehe auf der beiliegenden Karte. Was nicht stimmte. Der Grund für die Eile war offensichtlich: Über die Schulter hingen ihr noch drei weitere Stofftaschen, und es war bereits nach halb zwölf. Offen thematisiert wurde das aber nicht. Einen Blick an mir vorbei ins Wohnzimmer warf sie dann doch – ah, da liege das Kleine ja. Nein, eben nicht – es war unverkennbar eine Zweieinhalbjährige. Für ein Gespräch war es da bereits zu spät. Auf meine Nebenbemerkung, bei uns stünde in wenigen Tagen ein Wegzug ins Haus, meinte sie nur noch lapidar: »Wie schön für Sie.« Woraufhin ich ihr gerne ein paar volle Kisten gereicht hätte …

Im Blick auf meine eigene Besuchs-Praxis haben mir beide Begegnungen weitergeholfen. Die von heute vielleicht noch ein bisschen mehr.

 

2 Kommentare zu “Kontrasterfahrung”

  1. Steffen meint:

    So sieht er wohl aus, der Unterschied zwischen Pflichterfüllung und Berufung;-)
    Vielleicht ist es aber auch Ausdruck unserer eher unterkühlten Kultur?
    Man möchte ja niemandem zu nahe treten und auch nicht zu viele Umstände machen.

  2. Daniel meint:

    Stimmt, auch letzterer Aspekt könnte von Bedeutung sein.

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