»Kenne ich…«

16. Januar 2008

»Wie geht’s?«, fragt mich jemand. Ich zögere kurz. Dann sage ich, dass ich mich über viele Dinge freue, dass es aber zeitlich relativ eng ist zur Zeit. Ich will gerade erklären, was ich damit meine, als ich bereits knapp unterbrochen werde: »Kenne ich…« Optional werden an dieser Stelle noch eigene aktuelle Projekte genannt. Mitunter ist das Gespräch aber schon vorbei, bevor es überhaupt richtig begonnen hat.

»Kenne ich…« Vordergründig wirkt diese Floskel einfühlsam, geradezu empathisch. Da kann jemand mit mir mitfühlen, mich verstehen. Doch Pustekuchen. In Wahrheit wird meine persönliche Situation – die objektiv wie subjektiv völlig einzigartig ist – im Nu eingeebnet und in den Erfahrungshorizont meines Gegenübers einsortiert. Und warum soll ich über irgendwas berichten, was sowieso schon bekannt ist…? Zugleich kommt mir der Verdacht, dass schon die Eingangsfrage nicht ganz ernst gemeint war…

Erbsenzählerei? Finde ich nicht. Ich persönlich will es lernen, ungünstige Formulierungen zu vermeiden – und meine Gesprächspartner auch auf diese Art und Weise zu achten. Wenn man von Carl Rogers & Co. lernen kann, dann hier!

 

Ein Kommentar zu “»Kenne ich…«”

  1. Simon meint:

    Guter Beitrag, Daniel. Möchte ich auch drauf achten.

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