Innere Logik

21. Juli 2011

»Warum eigentlich Zehn Gebote?« Fragt Julius Steinberg in der aktuellen Ausgabe von »Faszination Bibel«. Und warum gerade diese zehn, in dieser Reihenfolge?! Schon die verschiedenen Zählweisen zeugen ja von einer gewissen Unklarheit. Und die klassisch kirchliche Aufteilung in zwei Tafeln – eine (mit gerade mal drei Geboten) regelt die Beziehung zu Gott, eine (mit satten sieben) das Verhalten der Menschen untereinander – wirkt zumindest äußerlich ein wenig schief.

Steinbergs Alternative besteht in konzentrischen Kreisen – ein Strukturprinzip, das im Alten Testament häufiger auftaucht (konkret denke ich an Amos 5,1-17 und dessen Gliederung nach Jörg Jeremias):

Im Zentrum steht der Einzelne. Um ihn herum sind die Gebote wie Schutzzäune angeordnet. Sie schützen zuerst sein Leben, dann seine Familie, seine Arbeit, seinen gesellschaftlichen Ruf und münden in einen allgemeinen Aufruf zum Respekt. Die Gebote sind dabei paarweise gegenübergestellt. Das erste greift jeweils die Beziehung zu Gott auf, beziehungswiese in einem Fall die Beziehung zu den Eltern, also gewissermaßen die Vertikale. Das zweite behandelt jeweils die Beziehung zum »Nächsten« oder einfacher gesagt: zum Nachbarn. Die Verheißung, lange zu leben, kommt bei dieser Sichtweise in der Mitte zu stehen und gilt dann für alle Gebote.

…und weil die Sache als Bild gleich viel klarer wird (Mausklick vergrößert ein wenig):

 

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