Immer öffentlich

18. Juni 2013

Wie begegnet man religiösem Fundamentalismus? Oft reflexartig mit der Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat – womit dann nicht das hiesige System der »hinkenden Trennung« gemeint ist (so die arg wertende Umschreibung durch Ulrich Stutz), sondern ein konsequenter Laizismus, wie er etwa in Frankreich üblich ist. Auf den ersten Blick klingt das auch logisch. Allerdings höchstens auf den ersten. Denn natürlich entspringt das Verbot von Religionsausübung im öffentlichen Raum seinerseits einer religiösen Überzeugung.

Ein ganz anderes, nämlich auf das Wesen von Religion bezogenes Argument steuert jetzt Udo Di Fabio bei, ehemals Richter am Bundesverfassungsgericht: Religion habe per se eine »öffentliche Tendenz«. Und, zitiert aus einem Artikel des christlichen Medienmagazins »pro«:

»Jede ernstzunehmende Religion« gerate auch hin und wieder in Konflikt mit dem Staat […].

Entscheidend wäre dann das jeweilige Potenzial, den Konflikt konstruktiv (also unter anderem gewaltfrei) zu bearbeiten. Was aber langwierig sein kann und darf, wie die Geschichte zeigt.

 

2 Kommentare zu “Immer öffentlich”

  1. Tobias Schneider meint:

    Welcher konsequente Laizismus in Frankreich? Der, bei dem alle Kirchengebäude vom Staat unterhalten werden und es Departements gibt, wo der Staat sogar die Priestergehälter zahlt? ;-)

  2. Daniel meint:

    Stimmt! Sogar dort … (Gewöhnlich nennt man ja USA und Türkei, um den Pseudo-Laizismus zu demonstrieren.)

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