Ich und Wir

2. Oktober 2013

Die ARD-Themenwoche zum Thema »Tod« ist schon etwas länger her. Interessant und unbequem bleibt folgender Auszug aus einem damals veröffentlichten Leserbrief, der die (moderne? postmoderne?) Individualisierung des Sterbens kritisiert:

Das Bekenntnis der großen protestantischen Theologin Dorothee Sölle wäre stattdessen wesentlich hilfreicher. Auf die Frage, ob mit dem Tod alles aus sei, hat sie geantwortet: »Ich bin aus. Aber ich bin nicht alles.« Das halte ich für ein christliches Bekenntnis, das dem Ge-Ichze unserer Tage (Wolf Biermann) entgegengehalten werden muss. Es würde uns weiter bringen als das Anmalen von Särgen.

… ein theologischer Türöffner für manch anderes Thema …

 

3 Kommentare zu “Ich und Wir”

  1. Steffen meint:

    Glaube beginnt dort, wo ein Mensch ganz und gar in freudiger Erwartung auf das hin lebt, was endlich sein wird, wenn er zu Gott nach Hause kommt.
    Der Querverweis zum suchenden Mönch Luder ist dabei durchaus wichtig, denn als Luther konnte er endlich aufhören Gott und sich selbst zu suchen und nun gelöst auf das Wesentliche hin leben.

    Wem das geschenkt wird, der kann dann mit Bach singen: Ich freue mich auf meinen Tod!
    Das ist der Punkt der echten Freiheit…
    Leider wird der aber in einer auf sich selbst bezogenen Gesellschaft tatsächlich verdrängt. Sterben wird heute oft als “schlimm” empfunden und nicht als Gewinn.
    Wer das so empfindet, der muss sich und die Seinen wohl tatsächlich mit einem zunehmend bunten Totenkult trösten.
    Aber: Was braucht es all das? Gott weiß doch wo ich beerdigt wurde;-)

    Die Themenwoche fand ich damals jedoch dennoch wertvoll, denn sie stellte sich gegen der Trend, das Sterben “auszulagern”. Sterben ist ja nichts Besonderes, sondern gehört zu unserem Alltag dazu wie geboren werden ja auch.

  2. Daniel meint:

    … die Themenwoche an sich war genial, das stimmt.

  3. Steffen meint:

    Passend dazu (zum “Dranrumdenken”) auch:

    “Ich finde es erstaunlich, dass viele, die von der Liebe erfüllt sind, trotzdem nicht den Wunsch haben zu sterben.
    Anscheinend schenkt Gott dies Verlangen erst, wenn die Zeit herannaht.
    Vielleicht wäre es für viele auch nur von geringem Nutzen. Sie sollen erst einmal lernen zu leben.”
    John Wesley

    Passend: Matth. 8; 22
    Schaut man aber unsere Friedhöfe an, mag man kaum denken, dass mehrheitlich Christen hier leben.
    Materialistischer Totenkult inzwischen sogar mit Selbstbildnissen auf bunten Steinen…
    Loslassen und Vertrauen sieht sicher anders aus;-)
    Komisch: Auf jüdischen Friedhöfen fühle ich mehr vom Loslassen.
    Versteht die Gemeinde heute Jesus?
    Klar genug sind seine Aussagen ja schon, oder?

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