Hier wie dort

19. Oktober 2010

Vergleicht man christliche Gemeinden in Deutschland und Afrika, dann stößt man rasch auf Unterschiede. Hierzulande ist es beispielsweise relativ unüblich, Gäste im Gottesdienst nach vorne zu bitten. In Tansania waren wir einigermaßen froh, dass wir es bei einer kurzen Selbstvorstellung belassen konnten (eine Kurzpredigt auf Englisch hatte ich mir schon zurechtgelegt…). Und mit der Länge des Gottesdienstes hatten wir es zwar gut erwischt – und trotzdem waren wir erst nach drei Stunden durch.

Spätestens auf den zweiten Blick entdeckt man die Gemeinsamkeiten. Viele sind ermutigend. Wenn man Lieder auf Swahili problemlos mitsingen kann, weil die Melodien deutschen Kirchenliedern entnommen sind, spürt man was von weltweiter Kirche.

Aber auch bedenkliche Dinge sind mir aufgefallen. Dinge, von denen ich gehofft hatte, es seien rein deutsch-landeskirchliche Probleme.

  • Auch in Tansania scheint christlicher Glaube – oder überhaupt Religion – für viele Menschen im Alltag keine allzu große Rolle zu spielen. Und für manche Milieus gilt dieser Trend in besonderer Weise – konkret denke ich an die große Gruppe der Safari-Guides, mit denen wir mehrere Tage lang zu tun hatten.
  • Bei Beerdigungen – während einer Wanderung in den Kilimanjaro-Wäldern erlebten wir urplötzlich eine mit – ist es üblich, dass nur ein Teil der Dorfgemeinde schon in der Kirche mit dabei ist. Andere können nichts damit anfangen – und nehmen nur an der eigentlichen Bestattung teil.
  • Letztere wiederum erfahren allzu oft Ablehnung bzw. soziale Ausgrenzung durch die Kirchgänger. Unserem Wanderführer war es so ergangen – und seine Beziehung zum Glauben hat sich dadurch nicht unbedingt verbessert…
  • Christlicher Glaube gleich Moral – diese immerwährend-falsche Gleichsetzung macht vor Tansania natürlich nicht Halt. »He is a good Christian«…
  • Im klassischen Kirchenchor, den wir bei der Probe belauschten, sangen kaum Männer mit…
  • …und auch tansanische Teenies haben sonntags natürlich keinen Bock auf Kirche (jedenfalls wenn sie cool sind) – und bleiben daheim.
  • Was schließe ich daraus? Hier wie dort wird nur mit Wasser gekocht. Und entscheidend ist immer, dass der Heilige Geist am Herd steht. Na ja – diese Spontan-Formulierung ist kurz vor Mitternacht entstanden…

     

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