Heimlich zensiert

10. Mai 2013

Schon zum zweiten Mal haben Adrian Plass und Jeff Lucas einen persönlichen Briefwechsel veröffentlicht. Und auch diese Fortsetzung kann ich wärmstens empfehlen – allen, die britischen Humor (den Lucas auch als Amerikaner beherrscht), geistliche Tiefe und vor allem die Kombination aus beidem schätzen.

Am deutschen Untertitel – »Fromme Chaoten unzensiert« – scheint hingegen nicht ganz so viel dran zu sein. Das belegt die kleine Leseprobe, die der Brendow-Verlag vorab kostenlos unter die Leute brachte. Die folgende, dort noch abgedruckte Passage aus einem von Adrians Briefen (Kontext: Eine ältere Dame hat sich in einem Vortrag vor Lachen in die Hose gemacht, im wahrsten Sinne des Wortes …) scheint den Damen und Herren im Lektorat wohl doch noch zu heikel geworden zu sein (warum auch immer). Jedenfalls ist sie im schlussendlich erschienenen Buch (und auch in der derzeitigen Online-Leseprobe) ersatzlos gestrichen:

Ich war entzückt, auch wenn das eine eher ungewöhnliche Methode ist, den Erfolg einer Veranstaltung zu bemessen. Meistens zählen christliche Redner die Leute, die zum Gebet nach vorne kommen, oder die Hände, die auf irgendeine Einladung hin gehoben wurden, wobei sie freilich nicht müde werden zu betonen, es käme gar nicht darauf an, wie viele nach vorne kommen oder ihre Hände heben. Nasse Unterwäsche dagegen könnte ein völlig neues Kriterium sein, um zu ermitteln, wie viel Segen auf einer Veranstaltung lag.
»Also dann, wie viele von Ihnen hatten heute während des Gottesdienstes damit zu kämpfen, ihre Blase zu beherrschen? Gut. Kleinere Undichtigkeiten? Schön. Eine lästige kleine Flutwelle? Wunderbar. Vollständige, triefende Pipifizierung? Gott segne Sie …«

 

2 Kommentare zu “Heimlich zensiert”

  1. Nicolas Koch meint:

    Danke für die Rezension!
    Die Kürzung erfolgte aufgrund des Umfangs, die Leseprobe wurde ja auch gedruckt, hier mussten wir noch etwas kürzen, um nicht mitten im Brief aufhören zu müssen. Aber wirklich aufmerksam :-)

    Liebe Grüße,
    das Brendow-Lektorat

  2. Daniel meint:

    … danke für die persönliche Antwort! Ja, dann kann ich’s verstehen. (Auf die Auslassung hat mich übrigens ein Buchhändler hingewiesen …)

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