Grußwort-Grauen

1. November 2010

Zugegeben: Die Aufgabe war nicht ganz einfach: Ein gutes (!) Grußwort halten, wenn zehn (!) andere dasselbe tun versuchen. (Dem Planungsteam muss man zumindest eine Mitschuld attestieren.)

Einige haben ihre Herausforderung sehr an-sprechend gelöst. Und doch: Was ich da neulich erlebt habe, bei einer Amtseinführung, war überwiegend mies, wenn nicht peinlich. Und ich frage mich: Warum machen Leute, die das Reden doch eigentlich gelernt haben müssten, immer wieder dieselben Fehler?

Als da wären:

  • Munter die Metaebene verwenden: »Als wir im Büro die Anfrage für ein Grußwort bekamen, …« Interessiert uns Null.
  • Mit dem abgelutschtesten aller Laotse-Zitate einsteigen: »Eine lange Reise beginnt mit einem ersten Schritt.« Gähn.
  • Krampfhaft versuchen, Lacher zu produzieren, vorzugsweise mit altbekannten Kirchen-Witzen. Ja, auch Christen können lustig sein.
  • »Nebenbei« den selbstverständlichen Umgang mit modernen Medien demonstrieren: »Wenn man im Internet nach dem Begriff … sucht, …« Wirklich – Sie wissen echt, was eine Suchmaschine ist?
  • Dem neuen Stelleninhaber freundlich lächelnd drei Pistolen auf die Brust setzen: »Ich kann Ihnen versichern: Die Zusammenarbeit mit Ihrem Vorgänger war ausgezeichnet.« Wie war das noch mit Gesetz und Evangelium?
  • Ungünstige Leerstellen setzen: »Heute ist ein Fest der Freude.« Und morgen?!
  • Einen typischen Schlusssatz – »Ich wünsche Ihnen, …« – mittendrin verwenden, natürlich mehrere Male. Veralbern kann ich mich selbst.
  • Eng damit verwandt: Nicht zum Ende kommen. Leute! Wenn jede(r) zehn Minuten (!) überschreitet, brauchen wir zwei Stunden…
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    Ein Kommentar zu “Grußwort-Grauen”

    1. Alex meint:

      Und wieder etwas gelernt :)

    Deine Meinung?!