Göttliche Gnade

1. Mai 2007

…eine Andacht vom CVJM-Sport-Abend.

…mit herzlichem Dank an Simon und seinen Hinweis

Wynton Marsalis ist Trompeter – und gehört zu den populärsten Jazz-Musikern aller Zeiten. Eines Abends ist er aufgetreten in New York, in einem kleinen Keller-Club. Mit einer Combo.

Sie sind mittendrin, als Marsalis nach vorne tritt – und ein Solo beginnt. Es ist eine melancholische Ballade aus den 30er Jahren: »I don’t stand a ghost of a chance with you«. Ein echtes Highlight, ein Erlebnis – auch für Jazz-Kenner. Das Publikum ist wie gebannt, hängt an jedem einzelnen Ton. Marsalis holt alles aus seiner Trompete raus. Die Spannung steigt, dann die letzte Strophe, noch einmal, ganz langsam gespielt, der Refrain: »I – don’t – stand – a – ghost – of – a – chance – …«

Da klingelt ein Handy. Irgendeine nervige Mickey-Maus-Musik. Gemurmel, Gekicher, ein Mann stürmt mit hochrotem Kopf aus dem Raum. Die Stimmung ist weg, der Zauber vorbei. Schade.

Da beginnt Marsalis wieder zu spielen. Eine neue Melodie. Und die Zuhörer, einer nach dem anderen, merken: Es ist die Handy-Melodie von eben. Er spielt sie einmal, zweimal, er verändert sie, erfindet ganz neue Tonfolgen und Klänge, eine ganz neue Stimmung entsteht – einige Minuten lang. Ein albernes Gebimmel…wird zum wunderschönen Kunstwerk. Irgendwann ist er wieder bei der letzten Strophe seines Liedes: »I – don’t – stand – a – ghost – of – a – chance – with – you.« Zum Schluss: Tosender Beifall.

Ein gutes Bild für Gottes Gnade.

Ich muss da an Petrus denken: Dieser Begleiter Jesu, der immer vorne mit dabei war. Bis zum Schluss. Als es hart auf hart kommt, das hochheilige Versprechen: »Ich werde dich nie verlassen! Die anderen vielleicht – ich nicht.«

Doch es kam ganz anders: Dreimal die unbequeme Zwischenfrage: »Gehörst du nicht auch zu diesem Jesus?!“ Dreimal die Lüge: „Nein, ich kenne ihn nicht.“

Was für ein Absturz! Zum Heulen. »Petrus weinte bitterlich«, schreiben die Evangelisten.

Einige Tage später: Die Jünger beim Fischen. Zu Hause. In ihrem alten Beruf. Sie haben hingeworfen, den Jesus-Job an den Nagel gehängt.

…und dann dieses Wunder, dass es Morgen wird – und Jesus am Ufer steht. Ein Grillfeuer angezündet hat. Mit ihnen isst. Lebendig ist.

Auch Petrus ist dabei. Jesus fragt ihn: »Hast du mich lieb?« Er fragt ein zweites Mal: »Hast du mich lieb?« Und er fragt ein drittes Mal: »Hast du mich lieb?«

Ob es Petrus gemerkt hat? Ich glaube schon. Dreimal. Jesus hat es nicht vergessen. Jesus weiß um die dunkle Vergangenheit. Dreimal: »Ich kenne diesen Jesus nicht.« Aber Jesus nimmt dieses dreifache Versagen– und formuliert es um: »Hast du mich lieb?« Aus der dreifachen Lüge wird die dreifache Chance. Und jetzt sagt Petrus aus vollem Herzen: »Ja!«

Ich staune über diesen Gott! Der scheint auch Humor zu haben. Er wischt die Vergangenheit nicht weg. Aber er formt sie um und macht sie neu.

Er kennt auch Peinlichkeiten unseres Lebens – und kann daraus Gutes machen. Ich bin gespannt darauf!

 

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