Göttliche Gewinnspanne

27. Juli 2007

Neulich bin ich auf den neutestamentlichen Abschnitt Philipper 3,4b-9 gestoßen. Leider nicht im Rahmen der Predigtvorbereitung, sondern »nur« in einer NT-Probe-Examens-Klausur. Was Paulus da schreibt, hat es nämlich in sich…

Es beginnt mit einer Aufzählung religiöser Verdienste: »Wenn ein anderer meint, er könne sich auf Fleisch verlassen, so könnte ich es viel mehr, der ich am achten Tag beschnitten bin, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer, nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen« (Philipper 3,4b-6). Dabei wird auch deutlich, dass Paulus seine jüdische Herkunft nicht etwa für null und nichtig erklärt.

…dann aber schlüpft Paulus plötzlich in die Rolle eines Managers, der – unter Verwendung entsprechender Fachbegriffe – eine wirtschaftliche Bilanz zieht. Das Urteil ist ebenso überraschend wie eindeutig: »Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck …« Philipper 3,6f)

Der Ausdruck »Dreck« in der Luther-Übersetzung steht für das griechische »skybala«. Ziemlich euphemistisch übersetzt. Kann mich noch gut an meine mündliche Bibelkunde-Prüfung erinnern, in der Manfred Oeming mich eben Philipper 3,8 zitieren ließ.

Ich: »"… und ich erachte es für Dreck …"«
Oeming: »Genauer bitte!«
Ich: »"… und ich erachte es für Schaden …"«
Oeming: »"Sch…" ist schon gut – aber jetzt sagen Sie’s doch endlich…!«

Wann darf man schon mal in einer offiziellen Prüfung mit Fäkalausdrücken um sich werfen?! Aber genau das meinte Paulus hier – und folgerichtig spricht auch die »Volxbibel« (die sich in diesem Punkt sonst höchst gesittet ausdrückt!) in Philipper 3,8 von einem »großen Haufen Sch…«.

Was für eine Bilanz – und was für eine rekordverdächtige Gewinnspanne! Auch ich will nicht in der Sch… bleiben, sondern »Christus gewinnen« (so der Schluss von Philipper 3,8).

 

Ein Kommentar zu “Göttliche Gewinnspanne”

  1. Daniel meint:

    …schon wieder… Udo Schnelle: Einleitung in das Neue Testament, 4. Auflage (2002), 165: “Paulus bewertet [in Phil 3,8] seine glanzvolle jüdische Vergangenheit aus der Perspektive des Glaubens als ‘Dreck’.”

    Warum können nicht mal NT-Profs richtig übersetzen…?!

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