Göttliche Blickrichtung

25. Oktober 2012

Jeremia, was siehst du?

… fragt Gott seinen frisch berufenen Propheten in Jeremia 1,11. Der hätte viele Antworten gehabt. Und viele negative Dinge sagen können, zu seiner Zeit und an seinem Ort: Kriegsgefahr. Lauernde Truppen. Ein Land am Abgrund. Unfähige Herrscher. Falsche Propheten. Verlorenes Gottvertrauen. Neue Götter. Neue Götzen. Lüge. Enttäuschte Hoffnung.

Es geht aber ganz anders weiter:

Ich sprach: Ich sehe einen erwachenden Zweig.

Wie kann Jeremia den »erwachenden Zweig« sehen, … der ja ganz unscheinbar ist, weniger gut ins Auge fällt als das Negative?

Vielleicht hat Jeremia gelernt, der Blickrichtung Gottes zu folgen. (Kinder lernen das ja erst nach und nach: dass man die Eltern nicht nur angucken kann, – sondern dass man herausfinden kann, wo die hingucken.) Vielleicht hat bereits Gottes Frage »Was siehst du?« Jeremia zur Antwort gelenkt. Und zum »erwachenden Zweig«. Und vielleicht lohnt sich genau das auch für uns. Zu fragen: Wie sieht Gott mein Leben an? Oder meine Gemeinde? Was sieht Gott eigentlich dort? Was fällt ihm ins Auge? Und wo handelt er schon längst? Wo lenkt er meinen Blick hin? Welche Vision lässt er mich entdecken?

Auszüge aus einer Morgenandacht bei der Herbstkonferenz 2012 in Bad Boll – zum Thema: »"Dein Reich komme …" Ekklesiologie zwischen Himmel und Erde«.

 

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