»Gottesdienst dauert ewig …«

21. Oktober 2012

… ein verbreitetes Gefühl, nicht nur unter Konfis. Warum eigentlich?

Möglichkeit 1: Gottesdienste sind schlicht schlecht gemacht – und ziehen sich deshalb »ewig« hin.

Möglichkeit 2: Gottesdienste funktionieren in vielen Punkten ganz anders als unser Alltag, … und wirken deshalb »ewig«.

  • Unser Alltag ist Tag für Tag anders. Ein Gottesdienst läuft immer gleich ab. Und die einzelnen Elemente sind immer ganz ähnlich.
  • Unser Alltag kennt schnelle Abfolgen. Im Gottesdienst braucht alles ein bisschen mehr Zeit.
  • Unser Alltag präsentiert uns zig verschiedene Sinneseindrücke. Im Gottesdienst gibt’s nur wenig zu sehen und zu hören.
  • Unser Alltag ist meistens sehr laut. Gottesdienst eher ruhig.
  • Unser Alltag ist oft voll Bewegung. Im Gottesdienst sitzen wir meistens (je weniger charismatisch/südländisch, desto mehr).
  • Unser Alltag kennt viele leichte Themen, die rasch wieder weg sind. Auf die gewichtigen Gottesdienst-Themen muss man sich erst mal einlassen.
  • … man könnte den Gottesdienst jetzt also als – lohnende – Kontrasterfahrung zum Alltag bezeichnen. Was meiner Wahrnehmung nach gerade im landeskirchlichen Kontext auch meistens geschieht.

    Genauso gut kann man aber unseren Alltag einem zweiten Blick unterziehen – und feststellen:

  • Auch unser Alltag kennt feste Rituale und Abläufe.
  • Auch unser Alltag beinhaltet Dinge, die Zeit brauchen.
  • Auch unser Alltag lebt dann und wann von der Konzentration auf wenige bestimmte Sinneseindrücke.
  • Auch unser Alltag braucht Momente der Ruhe und Stille.
  • Auch unser Alltag gelingt erst dann, wenn wir nicht andauernd in Bewegung sind.
  • Auch unser Alltag konfrontiert uns mit gewichtigen Lebens-Themen.
  • … für den Gottesdienst gibt es also durchaus auch Alltags-Analogien.

    Egal, von welcher Seite her man es angeht: Der Satz »Gottesdienst dauert ewig …« zeigt jetzt noch ein zweites Gesicht: Gottesdienst ist beständig. Hält lange an. Zeigt in die Ewigkeit. Oder eben: »Gottesdienst dauert ewig …«

     

    2 Kommentare zu “»Gottesdienst dauert ewig …«”

    1. Martin meint:

      Interessante Aspekte. Danke.

    2. steffen meint:

      Für mich dauert zum Beispiel ein Fussballspiel “ewig”.
      Es ist wohl immer auch eine Frage, was Menschen begeistert.
      Von der Liebe Gottes begeistert, dauert kein Gottesdienst “ewig”.
      Bei meinen amerikanischen Freunden (frische Eindrücke sind bekanntlich am stärksten.) dauert das manchmal 2 Stunden und länger und die vergehen wie im Flug und die meisten Menschen möchten sich anschließend weiter über die Großartigkeit Gottes unterhalten (auch über die Großartigkeit seiner Möglichkeiten -siehe “Sandy”) etc.
      Durch “Networking” (im Bezug auf den aktuellen Beitrag) nämlich, sind dort die meisten Menschen -im Gegensatz zu unseren Gemeinden- durchaus sehr eng mit der Gemeinde Gottes verbunden.
      Es ist nicht “verkrampft”, intensiv eingeladen zu werden. Es ist die Mission, die Gott uns auf den kurzen Weg hier aufgibt. Immer und überall.
      Nur: Haben wir etwas wirklich Begeisterndes, zu dem wir einladen können?
      Einige mehr, andere weniger, doch im Durchschnitt wohl zu wenig…
      Wenn die Verkündigung des göttlichen Wortes mehr einer Tradition, als echter Begeisterung folgt, dann werden Verkündigungsveranstaltungen zur empfundenen “Ewigkeit”, wobei diese sicher spannender ist, weil echte Liebe spannend ist.

    Deine Meinung?!