Gnade und Abenteuer

2. November 2014

Nach Ellwangen an der Jagst ging’s vor drei Wochen, auf Ökumenische Gemeindewallfahrt. Ich konnte erst gegen Mittag dazustoßen, ziemlich erschöpft von der Autofahrt. Und begegnete Erwin Knam. Der 1959 (!) Geistlicher Direktor der Marienpflege wurde. Mit seinen fast 90 Jahren unfassbar erfrischend erzählt(e) aus seinem Leben im Dienst für Kinder. Und prompt dem evangelischen »Mitbruder« seine Autobiographie überreichte. Die weckte mich dann am Abend auf, nach der zweiten anstrengenden Autofahrt. Und seitdem regelmäßig. Es ist nicht immer meine Sprache. Auch nicht meine Tradition. Und selbst Motorrad fahre ich nicht. Aber das hat schon was, ein Leben voll »Gnade und Abenteuer« …

Das fing schon gut an: Mein Pfarrer Fidelis Erath zeigte sich lernfähig! Ich hatte meinem neuen Chef geschrieben, ob man in Stuttgart auch ein Fahrrad brauchen könne? Seine Antwort: Nein, man kann alle Wege mit der Straßenbahn oder dem Taxi machen. Und nun kam ich gar mit dem Motorrad an. Der Pfarrer war verärgert. Da es keine Garage gab, musste ich mein Motorrad anfangs auf der Straße parken. Bald merkte er, dass das Motorrad für Hausbesuche und Krankenbesuche weit besser geeignet war als die Straßenbahn. Er bot mir an, mein Motorrad im Aufgang zur Orgel in der Kirche zu parken. Diese war sein Herzstück. Sie trug seinen Namen: Fidelis. Er hatte sie zweimal aufgebaut. Das Einparken über zwei hohe Treppen war schwierig. Mit Hilfe eines langen Brettes habe ich es dann aber doch mühelos geschafft. Wieder einige Zeit später meint er, dies sei doch zu umständlich. Ich könne mein Motorrad ebenerdig im Gang seines Pfarrhauses einstellen. Als ich dann zwei Jahre später nach Ehingen versetzt wurde, meinte er: »Wenn der neue Vikar ohne Motorrad kommt, braucht er gar nicht kommen!« So lernfähig war mein alter Pfarrherr.

 

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