Glaubenswirklichkeiten

27. Dezember 2006

In der Theologie sind es oft die nebensächlich hingeworfenen Behauptungen, die mich ärgern. Kurze, scheinbar eindeutige Formulierungen, die auf entscheidenden Voraussetzungen beruhen – aber nicht näher begründet werden.

Beispiel gefällig?!

Evangelische Monatszeitschrift »zeitzeichen«, Ausgabe Dezember 2006, Seite 69. Kurzvorstellung des Films »Es begab sich aber zu der Zeit« (im Original: »The Nativity Story«). Einer knappen Inhaltsangabe folgen Informationen über Regisseurin Catherine Hardwicke – und der Hinweis, dass der Film »Glaubenswirklichkeiten banal verdinglicht«.

Klingt gut. Aber was soll das eigentlich heißen?! Wird damit implizit gesagt, dass Glaubenswirklichkeiten eben gerade nicht Wirklichkeit sein müssen (bzw. gar dürfen)? Dass beispielsweise die Jungfrauengeburt auch (bzw. gerade deswegen) Glaubensbedeutung hat, weil sie nicht wirklich stattgefunden hat? Geht es also – überspitzt-heideggersch gesprochen – um eine grundsätzliche Priorität von Sinn vor Sein?!

Ja, ich ahne, was die Formulierung ausdrücken will. Christen müssen nicht krampfhaft-apologetisch nach historischen »Beweisen« für ihren Glauben suchen. Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Nur: Ein offen vorgetragener Skeptizismus, der von vornherein und ungeprüft alles Wesentliche historisch anzweifelt, ist nicht unbedingt die richtige Alternative, finde ich.

 

Ein Kommentar zu “Glaubenswirklichkeiten…”

  1. Daniel meint:

    …soeben erreicht mich eine Nachricht der “zeitzeichen”-Redaktion. Mein Leserbrief zu Ausgabe 12/06 wird abgedruckt. :) Hätte nicht mehr damit gerechnet…

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