Glattgeschmirgelt

4. Januar 2015

Warum ich in ein Land gehe, in dem es Krieg gibt und wöchentlich Anschläge, fragen mich die Menschen, und dann antworte ich ihnen, dass diese existenzielle Bedrohung eben auch Leben bedeutet. Das verstehen die Menschen überhaupt nicht, und dann versuche ich, es besser zu erklären. Ich sage dann, da, wo es noch so etwas wie Reibung gibt, ist Leben, weil Leben eben nicht glatt ist, sondern rau. Ich sage, dass Deutschland abgeschliffen wurde. Glatt gehobelt. Das Böse sollte weg, und dann hat man zusammen mit dem Bösen auch das andere, das Kantige, das Unangepasste, weggeschmirgelt. Jetzt bestimmen nur noch der Tatort und die Maut und das Opening eines Pop-up-Stores die tägliche Debatte in Deutschland.
Und daraufhin schütteln die Menschen den Kopf und gehen.

Mirna Funk, Berlinerin jüdischer Abstammung und auf dem Sprung nach Israel, neulich im »ZEITmagazin«. Könnte man das auch auf Glauben und Kirche hin durchbuchstabieren?! Zum Beispiel auf das Verhältnis von Gott und Gewalt?!

 

3 Kommentare zu “Glattgeschmirgelt”

  1. Steffen meint:

    Auf eine Kirche generell, die sich ach so sehr bemüht, immer für alles offen zu sein und Verständnis zu haben?
    Das ist Jesus wesensfremd, denn er ist ja bekanntlich die Wahrheit und das Leben.
    Sehr verständlich also die Frau.

  2. Daniel meint:

    Nö, das meinte ich nun nicht. Sondern: Das Leben darf und muss kantig sein, aufregend, gefährlich. Und es hält auch Widersprüche aus …

  3. Steffen meint:

    …und somit eben Kirche auch!

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