Gläsern und glücklich

18. März 2008

Ob »ZEIT Campus«, Fernseh-Verbrauchersendung oder Internetportal: In letzter Zeit häufen sich die Ermahnungen, das persönliche Privatleben unter allen Umständen geheim zu halten… Das gilt in erster Linie für Aufenthalte im Internet: Meinungen anonym veröffentlichen. Spitznamen verwenden. Verschiedene email-Adressen einrichten. So oder so ähnlich lauten die Praxis-Tipps gewöhnlich.

Das Tragische daran: Es stimmt. Es gibt ihn – den potenziellen Manager, der letztlich wegen zweifelhafter persönlicher Bilder im Netz doch keine Zusage bekam. Oder die Wohnheim-Bewerberin, deren Aufnahme an merkwürdigen Gruppenzugehörigkeiten im »Studiverzeichnis« scheiterte. Überhaupt, das stasistudiVZ: Judith hat von einer schriftlichen Absage gehört, die im P.S. freundlicherweise mitteilte, der Bewerber solle sich mal Gedanken über die (fremden!) Kommentare (!) an seiner »Pinnwand« dort machen…

Was erst mal im Netz steht, bleibt gewöhnlich auch dort: Die »WayBackMachine« findet auch gelöschte Seiten – z.B. meine persönliche Homepage in der Version vom 18. September 2000 (!). Ohne Grafiken, aber mit Inhalt. So kann einem womöglich auch die vergangene persönliche Meinung gefährlich werden…

»Wenn ich nicht Pfarrer würde, würde ich nicht bloggen.« Was ich anfangs gelegentlich als Spaß dahergesagt habe, ist mittlerweile die pure Wahrheit. Ohne das Privileg, meinen Arbeitgeber schon zu kennen – und zu wissen, dass der die freie (protestantische) Meinungsäußerung nicht unterbinden kann, ohne sich selbst zu erledigen… –, müsste ich wohl die Notbremse ziehen. Oder regelmäßig auf eine wirklich eigene Meinung verzichten. Noch ein Argument für meinen Beruf… :-)

 

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