Geteilte Teile

28. Dezember 2011

Kurz vor der neuerlichen Weihnachtsgeschenke-Flut, Mitte Dezember, hielt die »ZEIT« fest:

Laut einer Studie im Auftrag von eBay liegt in Deutschlands Schränken ungenutzter Hausrat im Wert von 35,5 Milliarden Euro herum. Jeder Haushalt hortet demnäch Gegenstände im Wert von 1013 Euro, die er nie braucht.

(… ein Wert, der mir noch stark untertrieben scheint. Was ist zum Beispiel mit einmal und nie mehr gelesenen Büchern, die nur noch als Dekoration dienen?!)

Im zugehörigen Leitartikel »Meins ist Deins« werden ausführlich neue Formen von Konsumverhalten vorgestellt. Ihnen gemeinsam ist die Idee, Dinge, die man per se nur selten verwendet, von vornherein nicht alleine anzuschaffen. Dem klassischen Häuslebauer Besitzer-Typ wird dabei eine aufkommende »neue Generation von Konsumenten« gegenüber gestellt. Diese

stellt […] fest, dass sie oftmals gar nicht die Produkte will, sondern nur den Nutzen, den sie stiften. Nicht die CD, sondern die Musik, die diese spielt. Nicht die DVD, sondern den Film, der darauf läuft. Nicht die Bohrmaschine, die zeitlebens nur 6 bis 13 Minuten im Einsatz ist, sondern Löcher in der Wand.

(… nebenbei wird dabei auch die ungenaue ADAC-Statistik von neulich präzisiert: Der Anteil der Autos unter den 18- bis 29-jährigen Männern ist von über die Hälfte auf gut ein Drittel gesunken.)

Ich finde die Beobachtung hochspannend. Sollte die Zeit der materiellen Statussymbole tatsächlich zu Ende gehen? (Oder finden da lediglich Verschiebungen statt – vom Auto zum iPhone?) Persönlich interessiert mich auch, welche Art Konsument ich selbst eigentlich bin. Mit dem Trend zum Beispiel, E-Mails nicht mehr auf der eigenen Festplatte, sondern nur noch online verfügbar zu halten (was aus meiner Perspektive letztlich in dieselbe Richtung geht), tue ich mich immer noch sehr schwer …

 

8 Kommentare zu “Geteilte Teile”

  1. Tobi meint:

    Ziehst du keine Backups deiner mails?

  2. Daniel meint:

    … doch, natürlich. Noch schlimmer: Auf allen meinen Geräten sind alle meine E-Mails abgespeichert … Also gehöre ich vermutlich nicht zur neuen Konsumenten-Generation, was?!

  3. Tobi meint:

    D.h., du hast von POP zu IMAP umgestellt?
    Neue Konsumentengeneration? Hm, auf der einen Seite ist sicherlich ein Blick für Notwendiges gewachsen, der Verschiebung kann ich jedoch durchaus etwas abgewinnen. Dies mag aber eben auch an geänderten Bedürfnislagen liegen. Spannend wäre natürlich zu schauen, was zuerst war. Z.B. bei Autos: Gab es zunächst Dinge wie Carsharing, Mitfahrzentralen usw. oder sind diese eine direkte Folge des gesteigerten Interesses?

  4. Steffen meint:

    Ist es nicht die ständige Frage des Menschen nach seinen Vorteilen, die immer wieder zu Verschiebungen, zu Entwicklungen überhaupt führt?
    Eine in allen Bereichen mobile Gesellschaft, muss nicht an den Dingen festhalten, das stört da eher.
    In Amerika, der momentanen Leit-”kultur” aller monopolkapitalistisch orientierten Gesellschaften, haben mich die Mobilhomes schon immer fasziniert.
    Freiheit, in sich ständig verändernden Gesellschaften, verträgt sicher keinen Balast.
    Und: Ein eigenes Auto, Haus etc. braucht immer auch Zeit und Kosten und kann sehr hinderlich sein.
    Ich denke: Das Angebot folgt (wie mal gelernt) der Nachfrage, ist Ausdruck der jeweiligen Entwicklung. Menschen, die in Zeiten der “German-Gemütlichkeit” geprägt wurden und heute noch in festen Verträgen (Verhältnissen in Arbeit, aber auch in Ehen etc.) gesichert sind, können da schon noch manchmal dazu neigen, zu sammeln und zu horten.
    Die Generation www schafft das schrittweise ab.
    Eine neue Nomadisierung in allen Bereichen?

  5. Tobi meint:

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich die Mär von der Nachfrage, die das Angebot hervorbringt, glauben soll. Ich denke, dass man vom Auto bis zum iPad die Reihenfolge drehen kann. Man könnte es vlt. so fassen: Ein initiales Angebot erzeugt eine Nachfrage, die dann ein breiteres Angebot evoziert (im Bsp: Andere Hersteller von Autos oder Tablets [die es auch schon vor dem iPad gab, klar, die Initialzündung kann man dem iPad jedoch nicht absprechen]).

  6. Steffen meint:

    Ja, natürlich wird inzwischen Nachfrage auch erzeugt, ist selbst ein Produkt, ein Markt und wird sogar immer stärker einer werden, denn eigentlich brauchen wir die meisten Dinge ja nicht.
    Ohne dieses Kunst-Produkt (Nachfrage) wäre diese Gesellschaft sicher bald am Ende. Soviel zum Thema Substanz….

  7. Tobi meint:

    Ich würde hier etwas unterscheiden. Natürlich gibt es Produkte, für die über Werbung/Marketing eine Nachfrage erzeugt wird. Daneben gibt es aber auch Produkte, die ohne (oder zum Teil auch trotz) Werbung eine Nachfrage erzeugen, die letztlich aber im Nutzen des Produkts (und wenn auch nur für eine gewisse Zeit) liegt.

  8. MagicShine meint:

    Solange es Ebay und Amazon mit Ihren vielen “Schnäppchen-Angeboten” gibt, wird sich hier wohl nichts ändern, und der Wert des ungenützten Hausrats steigt somit von Jahr zu Jahr.
    Und die Dunkelziffer liegt meines Erachtens deutlich über 1000 Euro.
    Eine Möglichkeit dies für sich persönlich zu ändern, wäre es, öfter einmal in eine neue Wohnung zu umzuziehen. Denn da wird so manches “Ding” in Frage gestellt und vielleicht sogar entsorgt (oder wiederum bei Ebay angeboten).

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