Geschenkt?

8. August 2013

Nomen est omen? Mit sage und schreibe 18 Rückmeldungen binnen weniger Tage ist der Blog-Beitrag »Wichtiger Widerspruch« in die Top 3 der meistkommentierten Artikel aufgestiegen. Am Schluss drehte sich das Gespräch um die Unterscheidung von Bedingungen und Konsequenzen, was den Glauben und Gottes Gnade angeht. Dazu habe ich einen passend-provokanten Dialog von Hans-Joachim Eckstein wiederentdeckt (veröffentlicht im kleinen Sammelbändchen »Du liebst mich, also bin ich«):

Ich habe hier ein Geschenk für Dich! –
Au, das ist schön. Vielen Dank! –
Halt, so einfach ist das nicht! Du mußt es erst annehmen. Erst wenn Du es annimmst, gehört es Dir. –
Klar, deshalb hab ich mich ja bedankt. Ich freue mich sehr darüber und nehme es gerne an. Also nochmals, vielen Dank! –
Nein, warte mal! Ich habe den Eindruck, Du nimmst das zu leicht. Das Geschenk ist zwar voraussetzungslos, aber nicht bedingungslos. Du brauchst es Dir nicht zu verdienen, aber an eine Bedingung ist es schon geknüpft. Du mußt es ganz bewußt und von Dir aus entgegennehmen, sonst gehört es Dir nicht. –
Jetzt bringst Du mich aber ganz durcheinander. Daß ich das Geschenk annehmen will, habe ich doch schon gesagt – und warum redest du die ganze Zeit von »müssen«? Selbstverständlich habe ich das Geschenk nur, wenn ich es annehme; aber wozu betonst Du das dauernd? Ich will mich doch beschenken lassen. Wo liegt denn eigentlich das Problem?
Auf mich wirkt das so, als hätte die Sache irgendeinen Haken, als müßte ich mir durch mein Verhalten das kostenlose Geschenk erst verdienen. Die dankbare Annahme ist doch die normale, spontane Reaktion; wieso klagst Du das so umständlich ein?
Ist es Dir denn nicht recht, wenn ich mich einfach am Geschenk freue? Warum komplizierst Du das Ganze so? Man könnte ja fast den Eindruck haben, daß Du mir meine Situation nicht richtig gönnst. Da wäre es bald einfacher, ich zahle den Preis selber; dann weiß ich wenigstens, wo ich dran bin.

 

6 Kommentare zu “Geschenkt?”

  1. Malte meint:

    Klasse Illustration! In Klaus Eickhoffs “die Predigt beurteilen” gibt es so eine ähnliche Szene.

  2. Daniel meint:

    Cool! Kannst du sie mal posten hier?

  3. Malte meint:

    Eickhoff startet sein Kapitel “Konsequenzen – ja! Bedingungen – nein!” so:

    Geschenk?

    Fritz zu Franz: “Ich schenke dir meine Kamera.”
    “Danke!”, sagt Franz.
    “Moment noch”, sagt Fritz, “ich schenke dir meinen Fotoapparat, wenn du mir dein Fahrrad gibst.”
    “Tolles Geschenk”, sagt Franz und fährt weg.

  4. Daniel meint:

    Yeah!

  5. Bernhard Elser meint:

    Bedingungen oder Konsequenzen hin oder her… Der Imperativ bleibt stehen und ist biblisch breit bezeugt – Herrn Prof. Eckstein zum Trotz – die Kardinalstelle: “…so BITTEN wir nun an Christi statt: LASST euch versöhnen mit Gott!” (2. Kor 5,20)

  6. Steffen meint:

    Die Unterscheidung zwischen Bedingungen und Konsequenzen ist schon wichtig, denn durch das Stellen von Bedingungen ist es offensichtlich ja nicht gelungen, den Menschen mit Gott zu versöhnen.
    Erst das bedingungslose “Ja” in Christus kann bekanntlich dazu führen.
    Nur: Die falsche Annahme, auch einiger TheologInnen, dass es nun egal wäre was man tut, dass jetzt ein “Alles ist gut” herrscht, die lässt darauf schließen, dass viele Menschen nicht verstehen, WARUM Gott will, dass wir versöhnt leben, denn versöhnt zu leben heißt ja letztlich auch und vor allem zu erkennen, dass Gottes Gebote einzuhalten -als Konsequenz- ein Teil der Antwort auf Gottes Gnadengeschenk ist.
    Jesus löst kein Gesetz auf!
    Barth sagt dazu u.a.: “Es hilft schon nichts: der lebendige Gegenstand der Theologie geht nun einmal den ganzen Menschen und also auch das privateste Privatleben des kleinen Theologen an.”
    Übersetzt man “Theologe” mit “jeder gläubige Christ” (so wie es Barth auch oft tut), dann erkennt man, dass es durchaus wichtig ist, deutlich zu sagen: Es geht um Konsequenzen nach der Erkenntnis der bedingungslosen “Begnadigung”. So wird deutlich, dass Versöhnung eben auch eine Konsequenz ist, die -wie alles andere auch – Gottes Gnade entspringt, die wir jedoch selbst als Konsequenz daraus ergreifen müssen. “Lasst euch…” heißt eben “macht mit!”, “ergreift die Gnade”, “lasst es zu” und lebt nicht mehr so wie es der “alte Mensch”, der Sünder tat.
    Das ist keine Bedingung (da habe ich mich auch selbst oft geirrt), aber es ist die Konsequenz eines Lebens im Glauben. Folgt die nicht, ist es ein Leben im Unglauben, also kein Leben in der Nachfolge Jesu und somit keins in der lebendigen Beziehung zu Gott durch Christus.

Deine Meinung?!