Flieger-Alarm

27. April 2013

Der Fernsehturm ist immer noch zu. Unterdessen hat aber Stuttgart-Zuffenhausen eine neue Attraktion. Und eine Debatte: Darf man sich – im Gewerbegebiet, aber mit Sichtkontakt zu diversen Wohnhäusern – ein Kampfflugzeug aufs Dach setzen? Nicht nur eine juristische Frage …

 

6 Kommentare zu “Flieger-Alarm”

  1. Michael Molthagen meint:

    Tja, wenn ich jetzt “Nein” sage, darf ich nie mehr in die Technik-Museen Sinsheim und Speyer, sollte auch auf auf meine Foto-Ausflüge zum Stuttgarter Flughafen verzichten (oder jedenfalls die Kamera abschalten und das Objektiv zudeckeln, wenn eine USAF- oder Bundeswehr-Maschine startet oder landet). Man wird ja konsequent sein wollen.

    Ehrlich, ich finde das Thema sehr schwierig. Ich bin aus christlicher Überzeugung Pazifist.

    Aber: Nicht Flugzeuge töten Menschen und führen Krieg, Menschen tun das.

    Und Menschen (wie etwa der Besitzer obiges Flugzeugs) haben eine Meinung dazu, warum sie eine Maschine hinstellen, wo sie sie eben hinstellen. Darf ich da ein Urteil fällen?

    Echt ein schwieriges Thema. Ich habe da für mich noch keine Antwort gefunden, die sich richtig anfühlt. Auf allen Ebenen. Und die muß ebenso auch sowohl zu obigem Starfighter passen wie zu meinen Fotos aus Speyer und Sinsheim oder vom Airport Stuttgart. Da darf ich nicht mit zweierlei Maß messen, oder doch?

  2. Daniel meint:

    Hmm, gute Frage. Ob ein Flugzeug in einem Technik-Museum steht oder auf einem Dach in Wohngebiet-Nähe (und zwar ohne Genehmigung), macht ja zunächst mal schon einen Unterschied …

  3. Michael Molthagen meint:

    Insbesondere im Hinblick auf die Baugenehmigung ist das technisch gesehen natürlich richtig, aber in diesem Falle – ganz gegen meine Natur – interessiert mich die technische Seite einmal gar nicht, sondern nur die emotionale Seite.

    Im Hinblick auf die Nähe zum Wohngebiet – nun ja, da wird’s schon schwieriger. Speyer, Sinsheim und der Flughafen Stuttgart sind nicht gerade in Wohngebietsnähe, aber doch “mitten drin” im Leben der Menschen, etwa im Urlaub (wer auf der BAB an Sinsheim vorbei fährt, der sieht die Flieger natürlich, und das dürften sehr viele Menschen sein, auch Kinder).

    Ich sehe andererseits auch: Militärflugzeuge werden immer wieder auch für sehr sinnvolle Maßnahmen eingesetzt, etwa zur Wärmebildaufnahme bei großangelegten Suchaktionen, Militärhubschrauber für die Luftrettung, Transporter für Katastropheneinsatz…. Lt. Wikipedia wurden drei Starfighter auch zivil für die NASA eingesetzt, mit Raketenantrieb als Übungsflugzeuge für das X-15-Programm.

    Das ist ja das, was ich meine, wenn ich sage: Flugzeuge töten niemanden und führen auch keine Kriege (wobei der Starfighter auch noch ein reiner Abfangjäger war, wenn ich mich nicht irre, also nicht für Luftangriffe geeignet).

    Ein Starfighter ist erst einmal ein Flugzeug (von dem IIRC einige Teile in besagter Firma gefertigt wurden, es also auch einen direkten Bezug zwischen Unternehmer und Ausstellungsstück gibt).

    Nun ja, wie gesagt: Ein schwieriges Thema. Wir haben uns als Zuffenhäuser Kirchengemeinde bisher bewußt nicht dazu geäußert – darüber gesprochen haben wir natürlich (gerade erst wieder an diesem Wochenende).

  4. Daniel meint:

    … stimmt – ihr seid ja räumlich noch näher dran …

  5. Michael Molthagen meint:

    Ja, recht nahe, so daß es halt auch für uns Thema ist. Wir sehen aber auch, daß da die Emotionen hochgehen, und da wollen wir nicht noch Kerosin ins Feuer gießen.

    Was mir ansonsten noch wichtig ist, ist die persönliche Freiheit, von der ich glaube, daß es für sie grundsätzlich nur zwei Grenzen geben sollte: Das für alle Menschen gleichermaßen (und ohne Ansehen der Person) geltende Recht und die eigene Nasenspitze.

    Und echt einfach irgendwie ein Stück weit sehe ich das mit dem Sargfighter auch als eine Meinungsäußerung und damit als ein geschütztes Gut, dem mit Toleranz (Toleranz, nicht Tolleranz, daß man also alles ganz toll finden muß, was andere tun oder sagen) zu begegnen ist.

    Hier kommt natürlich von wegen “für alle geltendes Recht” die fehlende Baugenehmigung ins Spiel, wobei ich schon denke, daß wir da in Deutschland sehr zur Überregulierung neigen. Und immerhin wurde deswegen ja auch im Vorfeld angefragt – und es gab keine Antwort.

    Aber ich gehe ohnehin davon aus, daß es in der Debatte nun wirklich nicht um Baugenehmigungen geht, sondern um eher ideelle Werte (und um eine wohl ohnehin angespannte Nachbarschaftsatmosphäre). Und ich finde es eigentlich immer ziemlich daneben, wenn man dann um den heißen Brei herum redet und das eigentliche Anliegen verschleiert und einen Strohmann baut.

  6. Daniel meint:

    Sehe ich ganz genauso. Aber ein Baugenehmigungsverfahren hätte ja hoffentlich nicht nur die technischen Rahmenbedingungen geprüft.
    Als jemand, der religiöse Symbole in der Öffentlichkeit befürwortet (und zwar bewusst in ihrer Vielfalt), hätte ich auch nichts gegen einen Starfighter (oder tatsächlich “Sargfighter”? Cooler Vertipper!) vor der eigenen Haustür. So wie ich ja auch geparkte Luxusschlitten ertragen muss. Die Chance zum kritischen Dialog bliebe ja trotzdem …

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