Festung Europa

21. Februar 2010

Wusstet ihr schon, …

  • … dass »FRONTEX« nicht etwa der Name eines Insektensprays ist, sondern die offizielle Bezeichnung einer europäischen, öffentlich finanzierten Einrichtung in Warschau, beauftragt mit der »operative[n] Zusammenarbeit an den Außengrenzen« Europas?
  • … dass es dabei schlicht und ergreifend um die Abwehr von Flüchtlingen geht?
  • … dass diese Organisation selbst EU-Parlamentariern nicht genau erklärt, was sie eigentlich konkret macht (was in den offiziellen Internetauftritten auch nicht so richtig deutlich wird)?
  • … dass »FRONTEX« noch autonomer werden, technisch noch mehr aufrüsten möchte?
  • … dass »FRONTEX« im Rahmen seiner »risk analysis« u.a. an der westafrikanischen Küste herumschnüffelt patrouilliert, viele hundert Kilometer südlich von Europa?
  • … dass »FRONTEX« erwiesenermaßen kriegerisch gegen völlig hilflose Menschen vorgeht – und u.a. überfüllte, marode Schlauchboote auf hoher See militärisch umleitet und in den sicheren Tod schickt?
  • … dass in anderen Fällen auch Kinder ohne vernünftiges Verfahren eingesperrt werden?
  • … dass der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble aber darauf beharrt, »FRONTEX« halte sich an die Genfer Menschenrechts-Konventionen?
  • … dass nicht zuletzt Deutschland gründlich mitmischt bei diesem schmutzigen Geschäft?
  • … dass die europäische Landgrenze nach Asien auf einer Strecke von 240 Kilometern vermint ist (und dass es einen eigenen EU-Topf für die Finanzierung von Prothesen für die Minen-Opfer gibt)?
  • Ich wusste das alles nicht. Und war dementsprechend erschüttert über den Bericht von Elias Bierdel im Evangelischen Bildungswerk Esslingen letzte Woche.

    Natürlich darf die Frage erlaubt sein, ob Europas Außengrenzen völlig durchlässig sein dürfen. Und gut möglich, dass wir dann zu dem Ergebnis kämen, dass wir unseren Reichtum gar nicht mit anderen teilen wollen. Aber dieser Schuld müssten wir uns dann stellen. Und ohne Information kann die Diskussion gar nicht erst stattfinden. (Nochmal: Wusstet ihr das alles?)

    Das war auch Bierdels Hauptforderung: Information! Sein von ihm gegründeter Verein »borderline-europa verfolgt genau dieses Ziel. Lohnend sind auch diverse Zeitungsartikel (insgesamt noch viel zu wenige!)…und dieser Bericht von »Report Mainz«:

    Hier noch einige Hintergrundinformationen (nicht vom englischen Dialekt ablenken lassen! ;-) ):

     

    3 Kommentare zu “Festung Europa”

    1. Die EU und die Flüchtlinge « Willkommen auf der Homepage der Familie Brakensiek in Velbert! meint:

      [...] heutigen “Beitrag zum Sonntag” widme ich einem inhaltlich bedeutenderen Thema, auf das Daniel Renz in seinem Blog hinweist. Ich war bereits früher einmal (ich glaube in einem ZEIT-Bericht) darüber gestolpert und ähnlich [...]

    2. martin meint:

      …mmh. flüchtlinge hin oder her: es stehen fragen und tatsachen im raum. das aus der ferne betrachtete goldene europa stellt sich den meisten flüchtlingen aus der nähe gesehen als ziemlich hart dar. sicher, leben die meisten in freiheit. aber zu welchem preis? illegale, die handtaschen verkaufen, die allesamt illegale(!) plagiate sind, wuseln in süeuropäischen küsten herum. soweit so gut, mag es helfen, seinen lebensunterhalt unter mafiösen umständen zu verdienen. was soll man machen, wenn die ausbildung osteuropäischer lehrerinnen hier nur zur putzfrau reichen? was macht man mit drogen, menschenschleuser, sondermüllentsorgung und millionen flüchtlingen aus aller herren länder, die es durchzufüttern gilt, wenn sie selbst nicht können oder dürfen? – also alles in allem ein problem der profitgier des kapitalistischen mannes? denn: wer freut sich nicht, für 1€ bei ebay etwas zu ersteigern und ärgert sich aber, nur für 1€ bei selbiger plattform etwas verkauft zu haben?
      man muss grenzen ziehen, denke ich, um einfach auch die freiheit eines staates bzw. einer staatenunion nicht zu gefährden. die grundlagen der freiheit müssen in der verfassung verankert sein. freiheit muss ja irgendwie verteidigt werden.

    3. Daniel meint:

      Wie gesagt: Gut möglich, dass wir Europäer Grenzen ziehen müssen (mitunter kann man es gar nicht vermeiden, Schuld auf sich zu laden…). Aber eine vernünftige Diskussion über das Thema findet doch noch nicht statt. Momentan sind es immer nur die bösen Amis, die die armen Mexikaner nicht reinlassen…

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