»Feindbild Evangelikale«

8. August 2009

Gelungene, weil höchst differenzierte Stellungnahme von Hansjörg Hemminger im aktuellen Materialdienst-Heft der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Ausgehend von den ebenso absurden wie massiven Protesten des Bündnisses »Kein Raum für Sexismus, Homophobie & religiösen Fundamentalismus« gegen den Marburger Kongress für Psychotherapie und Seelsorge letzten Mai wird da auf knapp zwei Seiten festgehalten:

  • Es gibt evangelikal geprägten religiösen Fundamentalismus, der auch politisch auftritt (bzw. – ich ergänze – das zumindest will…).
  • Diese problematische Strömung nun aber pauschal mit »den Evangelikalen« gleichzusetzen (oder gar mit den Veranstaltern besagten Kongresses zu identifizieren!), das kann den vermeintlich »toleranten« Kampf gegen die »Intoleranz« im Nu erheblich ausweiten: «Die Diffamierungen, die sich gegen die Kongressteilnehmer richteten, zielten auf die Mitte des christlichen Glaubens, auf die Person Christi, auf Kreuz und Vaterunser.« (Was sich aktuell auch das ZDF klarmachen sollte, wenn es in »Frontal21« mit einer Rundum-Kritik am »Sterben für Jesus« zugleich auch Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer oder Paul Schneider diskreditiert.)
  • In Marburg hat nicht zuletzt die zuständige Landeskirche versagt, die »den überforderten Veranstaltern auch nicht zu Hilfe« kam (vgl. dazu auch Daves offenen Brief an die Vorsitzende der EKD-Synode). »EKD und Landeskirchen sollten [...] ihr Verhältnis zum Evangelikalismus neu bedenken. Zur kritischen Solidarität gibt es künftig keine Alternative mehr. Die gewohnten kirchenpolitischen Grabenkriege des Protestantismus sind Sache ewig Gestriger, die es rechts und links gleichermaßen gibt.« Die entsprechenden Statements Wolfgang Hubers sind endlich ernst zu nehmen.
  • »Damit ist auch die evangelikale Seite zum Nachdenken über ihre Solidarität mit der evangelischen Kirche (oder den Mangel an Solidarität) gezwungen. Den Windschatten der Volkskirche, in dem man sich politisch unbehelligt fromme Seltsamkeiten leisten konnte, von der Schulverweigerung über die öffentliche Dämonenaustreibung bis zum Kreationismus, gibt es nicht mehr. Politische und theologische Unterscheidungen im Innern der evangelikalen Bewegung und der Dialog mit den Kirchen lassen sich nicht länger vermeiden.«
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