Feiern helfen?

27. Juni 2011

Eine meiner immer noch brennendsten theologischen Fragen kam natürlich auch in Greifswald zur Sprache, beim gemeinsamen Austausch zu Matthias Clausens Referat über die Predigt vor Post-Atheisten: Ist unsere »Gute Nachricht« nur was für die »Mühseligen und Beladenen«? Müssen wir den Starken ihre »Mündigkeit« erst »madig machen«, wie es Dietrich Bonhoeffer sehr polemisch ausdrückt? Brauchen wir also letztlich immer irgendein Defizit, um Menschen denn Sinn christlichen Glaubens vermitteln zu können? Oder, nochmal anders formuliert: Warum eigentlich sollten junge gesunde erfolgreiche Menschen in die Kirche kommen?

…vielleicht, so meine Idee mittendrin: um ihr Leben zu feiern! Um ihren Erfolg ordentlich auszukosten (anstatt ihn einfach nur hinzunehmen)! Um andere Menschen mitfreuen zu lassen – was das eigene Glück garantiert erhöht! Und wie man feste feiert, könnten wir uns ja nicht zuletzt bei Jesus abschauen…

Ein kleiner spitzfindiger Wermutstropfen: Wer beim Feiern hilft, geht strenggenommen immer noch von einem Defizit aus… (Habe ich mich deswegen vor einem guten Jahr – in einem anderen Zusammenhang – lustig gemacht über die Formulierung?!) Aber ganz wird sich das auch nicht vermeiden lassen. Mehr geht halt immer.

 

3 Kommentare zu “Feiern helfen?”

  1. Johannes meint:

    Wirklich eine spannende Frage! Welche Antwort hatte denn Bonhoeffer?

    Vielleicht wäre ein profilierte Form von “Wohlstandsevangelium” in der Verkündigung (das Rückschlüsse in die andere Richtung vermeidet: “Mühselige und Beladene” sind nicht gesegnet) doch irgendwie angemessen?

  2. Daniel meint:

    Ja, warum nicht?! Dabei muss ich spontan an einen Satz von Peter Zimmerling denken: »Die Armen sind nicht von Gott verworfen. Sie sind allerdings auch nicht in besonderer Weise von Gott gesegnet…«

  3. Daniel meint:

    Ach ja: Für Bonhoeffer ist es schlicht ausgeschlossen, hinter die »Mündigkeit« des modernen Menschen zurückzugehen. Die »Lösung« für ihn ist dann der Tod Gottes, wie ihn das christliche Kreuz präsentiert: »Vor und mit Gott leben wir ohne Gott.«

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