Fehlende Gottesnamen

11. August 2009

Man lese und staune – auch die katholische Theologie beschäftigt sich mit den Folgen der Postmoderne! Es muss gut gepflegter protestantischer Hochmut gewesen sein, der diese Erkenntnis bislang verhindert hat…

Jetzt aber halte ich gleich einen ganzen Zeitschriftenband zum Thema »Postmoderne und Professionalität« in Händen (»Lebendige Seelsorge« 3/2009). Und bin hocherfreut über einen Beitrag von Wolfgang Beck. Dessen treffende Argumentation bedeutet, auf evangelische Kontexte übertragen: Die populär-pauschalen Urteile, »zielorientierte« Unterfangen wie das EKD-Papier »Kirche der Freiheit«, der Württemberg-Prozess »Wachsende Kirche« usw. seien per se »untheologisch«, weil (in welcher Form auch immer) auf sichtbaren Erfolg aus, lassen allzu oft selbst die theologische Tiefe vermissen…

Dass schon der Begriff »Erfolg« sich traditionell einer kirchlichen Skepsis erfreut, ist [...] nur eine Facette pastoraler – und das heißt zurzeit wohl überwiegend vom Misserfolg gekennzeichneter – Realität. Kaum ein Zitat wie das von Martin Buber, »Erfolg« sei keiner der Namen Gottes, dürfte in den zurückliegenden Jahren so sehr das kirchliche Arbeitsklima bestimmt und zugleich in seiner Rezeption schlimmeren Schaden angerichtet haben. Denn der schlichten Erkenntnis ist eine ebenso schlichte entgegen zu setzen: »Misserfolg« ist auch keiner der Namen Gottes! Sowohl Erfolg als auch Misserfolg sind keine theologischen Kategorien. Sie sind aber bereits in apostolischer Zeit ein Faktum, dem sich die Verkündigung der Reich-Gottes-Botschaft zu stellen hat. Mag es für die Kirche noch so schwierig sein, den Begriff des Erfolgs durch verschiedene Parameter zu bestimmen und zu definieren, so darf sie sich vor dieser Herausforderung doch nicht drücken.

Dieser Beitrag wurde auch bei »PastorBuddy« veröffentlicht.

 

Ein Kommentar zu “Fehlende Gottesnamen”

  1. Achti meint:

    In meiner Sonntagspredigt ging es darum, dass Gott sich nicht für unseren persönlichen Erfolg interessiert, sondern für unsere Treue.
    Aber das hat einen anderen Zusammenhang als hier die Frage der Gemeindeentwicklung.

    Bei aller berechtigten Kritik, die man da am Erfolgsdenken haben kann, steht im Hintergrund doch häufig auch Angst. Da müsste so mancher entdecken, dass seine Arbeit keinen sichtbaren Erfolg bringt. Da ist eine Gemeindearbeit vielleicht von bestimmten ideologischen Vorstellungen geleitet, die keinen in Zahlen beschreibbaren Erfolg nachweisen können.
    Vielleicht liegt das eigentlich Problem darin, dass wir Erfolg immer mit Quantitäten verbinden. Insgeheim wünscht sich doch jeder Erfolg, d.h. dass seine Arbeit etwas bringt und bewirkt. Doch muss das nicht uunbedingt quantitativ (oder überhaupt) überprüfbar sein.

    Dennoch: Mehr Orientierug an Erfolg, Zielen und Nutzen würde auch so manchen “nutzlosen Knecht” entlarven.

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