Fehl am Platz

19. Juli 2013

Neue medizinische Kniffs machen es jetzt möglich: Eingefrorene menschliche Eizellen können nach Jahren wieder aufgetaut und eingepflanzt werden. »Familie auf Vorrat«, titelt die »ZEIT«.

Über die Sache wird man noch ausführlich ins Gespräch kommen müssen. Einstweilen geht mir Anne Prahl nicht aus dem Kopf (die nicht wirklich so heißt). Bei der Urlaubslektüre in den USA stieß sie auf ihre neuen Chancen. Ansonsten hat sie folgende Geschichte:

Die in dem Artikel beschriebenen Frauen waren alle Mitte dreißig. »So alt bin ich ja auch schon«, schoss es ihr durch den Kopf.
Bis zu diesem Tag war die Vorstellung, das Alter könnte ihr eines Tages irgendwelche Grenzen setzen, für Anne Prahl weit weg. Nach dem Architekturstudium war die Zeit wie im Flug vergangen. Auf Praktika folgten erste Jobs, dann zwei Jahre Ausland, bevor sie sich schließlich mit einem Büro selbstständig machte. In diesem beruflich erfüllten Leben hatten Kinder keinen Platz. Ein Bauprojekt reihte sich ans nächste. »Als Selbstständige musst du dich sehr sicher fühlen, um einen Auftrag auszuschlagen«, sagt sie. Dabei war es für die Hamburgerin immer klar, dass sie einmal eine Familie haben würde. »Ich mit meinem Mann und zwei Kindern in einem Park« – dieses Bild von der Zukunft hatte sie all die Jahre im Hinterkopf. Erst bei jener Urlaubslektüre kam es ihr das erste Mal in den Sinn, dass die menschliche Biologie ihrem erträumten Familienprojekt den Garuas machen könnte.

Wer auch immer die Dame mal aufgeklärt hat – wesentlich mehr als Blumen und Bienchen dürfte nicht dabei rausgekommen sein … Dachte ich zunächst. Aber vermutlich ist das Problem kein pädagogisches. Sondern vielmehr eine Arbeitswelt, in der Kinder ganz zwangsläufig aus dem Blick geraten (und höchstens ein kitschiges Schatten-Dasein fristen). Was nicht zuletzt an den beteiligten Männern liegen dürfte, die die Familienplanung sowieso erst jenseits der 40 so langsam angehen – und sich bis dahin ausschließlich der Karriere widmen. Da muss wohl umgedacht werden, um der Horrorvision 60jähriger Mütter zu entgehen.

 

3 Kommentare zu “Fehl am Platz”

  1. Steffen meint:

    Dieses Thema lässt sich nicht auf die Arbeitswelt oder “die Männer” verkürzen.
    Es ist ein historisch gewachsenes in einem Land, in dem Männer und auch Frauen erst anfangen zu verstehen, was GLEICH-Berechtigung bedeutet.
    Gleich heißt eben 50:50.
    Auch darum tun sich Menschen ja heute so schwer eine Fam. zu gründen, denn sehr viele sehen das als gleich an, was früher nur für Männer galt: Egoismus.
    Gleich aber heißt lediglich: 50:50
    Gleich heißt also immer auch Verzicht für beide, doch das ist noch nicht So modern in einer “Unterm Strich zähle ich” – Gesellschaft.

  2. Daniel meint:

    Stimmt, 100 plus 100 geht nicht …

  3. Steffen meint:

    Doch, aber es geht eben nicht gut;-) und so muss Beziehung letztlich scheitern oder kann gar nicht erst zustande kommen.
    Und: Stabile Beziehung ist meistens die Basis für Kinderwunsch, denn wir sind nicht so geschaffen, dass wir uns einfach nur fortpflanzen wollen.
    Ich kenne einen Fall, da wartet die Frau schon über 20 Jahre auf den Heiratsantrag.
    Ohne Ehe will sie keine Kinder. Das verstehe ich, doch bald ist die Uhr dann eben abgelaufen. GOTT sei Dank. Dann allerdings herzugehen und mit 60 noch künstlich schwanger zu werden ist nat. wieder typisch Mensch, typisch Egomane.

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