Fassade durchschaut

13. August 2009

Nikodemus, einer von Jerusalems führenden Religiösen, schaut bei Jesus vorbei. Mitten in der Nacht. (Damit es niemand mitbekommt?!) Johannes 3,1-8 war neulich Predigttext. Was mir neu aufgefallen ist: Das Gespräch der beiden nimmt gleich zu Beginn eine recht plötzliche, unerwartete Wendung.

Nikodemus beginnt folgendermaßen:

Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Und wie reagiert Jesus?

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Möglichkeit 1: Jesus hat gepennt – und die Frage nicht verstanden. Noch genauer: Er hat nicht bemerkt, dass Nikodemus ihn gar nichts fragen will…sondern nur ein bisschen bauchpinseln. Und der religiöse Guru überfällt den armen Pharisäer mit abstrakten theologischen Weisheiten.

Möglichkeit 2: Jesus blickt hinter die höflichen Floskeln seines Gegenübers. Er ahnt schon dessen persönliche Fragen, lässt sich voll darauf ein. Er kommt seinem Gesprächspartner näher, als Nikodemus sich selbst nahe zu kommen vermag (vgl. Eberhard Jüngel). Und erst so bekommt das Gespräch wahren Gehalt.

Wer sich die Überschrift anschaut, kennt meine Auslegung…

 

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