Fachfremd?

23. Oktober 2013

Neulich. Am Esszimmertisch mit meiner Frau.

Ich: Schau’ mal, was da ein Chefarzt in der »ZEIT« beklagt (liest vor): »Wir müssen immer mehr Aufgaben übernehmen, die nichts mit der Behandlung von Patienten zu tun haben. Ich habe das einmal für meine Klinik analysiert. Dabei kam heraus, dass ungefähr 30 Prozent der Arbeitszeit nicht medizinisch sind. 30 Prozent! Da muss dann ein Mediziner die Koordination und Terminplanung von Patientenuntersuchungen übernehmen, oder er sitzt am Rechner, tippt Arztbriefe, …« Der soll sich mal in meinem Beruf umschauen!

Sie: Wie meinst du das?

Ich: Na, ich mache mindestens die Hälfte meiner Arbeitszeit über völlig untheologische Dinge.

Sie: Finde ich nicht. Alles, was du machst, hat doch automatisch theologische Bedeutung, durch deinen Beruf eben.

Ich: Würdest du dann sagen, dass auch das Tippen von Arztbriefen was Medizinisches ist?

Sie: Warum nicht?

Ich: Wenn ich ehrlich bin: Nur rein »theologisch«, im engsten Sinn, will ich auch gar nicht arbeiten … Das macht doch gerade den Reiz aus, als Pfarrer »ganz normale Sachen« zu tun. Und ich vermute auch, dass ich sie anders angehe – und auch anders wahrgenommen werde. Wie ich das mit dem evangelischen Priestertum aller Glaubenden und einer Beteiligungskirche zusammenbekomme, ist halt die Frage …

 

Ein Kommentar zu “Fachfremd?”

  1. Steffen meint:

    1. Gratulation zu deiner klugen Frau. (Ohne eine solche eben doch kein “erfolgreicher” Mann!!! -umgekehrt übrigens auch- möglich ist. Lies mal bei Luther nach;-) Gott schuf uns als Team!!!)
    2. Kann es sein, dass die innere Weigerung vieler Menschen, Arbeit viel mehr aus den Händen zu geben, auch was mit Angst, der Angst weniger geliebt oder gebraucht zu werden, zu tun hat?
    Nur MUT beim Ansprechen der Gemeindeglieder!!! Viele Aufgaben sollte der Pfarrer (Arzt) wirklich nicht machen müssen. Viele Menschen dümpeln so in ihren Kämmerlein dahin und würden sich freuen, dürften sie für den Herrn (oder die Frau) Pfarrer selbstständig Aufgaben übernehmen. Aber: Das fordert Vertrauen und auch die Größe, Fehler der anderen in der alten Hierarchie der Institution mal auf sich selbst zu nehmen.

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