Exklusives aus Eden

28. September 2008

Gibt es eine genialere Literatur-Gattung als das Tagebuch?! Nein, ich spiele nicht in erster Linie auf die etwas flapsigen Israel-Berichte an, die ich vor drei Jahren gemeinsam mit einem Studienfreund verbrochenöffentlicht habe. Natürlich sind meine Gedanken beim »Frommen Chaoten« Adrian Plass, dem anschließend noch die »Rastlosen Reisen« sowie ein nicht minder lohnendes »Tour-Tagebuch« gelungen sind.

Schon im März haben Freunde uns Mark Twains »Diaries of Adam and Eve« geschenkt. Anlass war unsere Hochzeit – weswegen wir das Buch eigentlich gemeinsam (vor)lesen wollten. Aber als es gestern urplötzlich in den Tiefen einer Umzugskiste auftauchte, haben wir es unabhängig voneinander am selben Abend mehr oder weniger ganz verschlungen… Köstliche Lektüre – die in der zweisprachigen dtv-Ausgabe auch in gut lesbarem Deutsch daherkommt.

Über die Charakterisierung Evas durch Adam mag man sich – zumal als weibliche Leserin – zunächst ärgern: »Dieses neue Wesen mit den langen Haaren ist ganz schön lästig. Es lungert herum und läuft mir dauernd nach. Das kann ich nicht leiden; ich bin Gesellschaft nicht gewöhnt. Wenn es doch bloß bei den anderen Tieren bliebe…« Aber keine Sorge: Auch der männliche Prototyp bekommt sein Fett weg. O-Ton Eva: »Das Reptil kommt mir vor wie ein Wesen, das sich vor allem fürs Ausruhen interessiert.« Und: »Er spricht sehr wenig. Vielleicht, weil er nicht besonders helle ist und es aus Scham nicht zeigen will.« Beide Protagonisten präsentieren sich ebenso unbeholfen wie liebenswürdig – und vermitteln einem gerade in den Schlusspassagen auch diverse theologische Einsichten. Aber in erster Linie sind diese »Tagebücher« einfach unterhaltsam. Was ja auch kein schlechter Grund ist, mal einen Blick rein zu werfen.

 

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