Examens-Einblicke VIII

14. Januar 2008

Ein neues Jahr – aber die Ziele bleiben vorerst dieselben. Momentan deutet alles darauf hin, dass ich Ende März einige Tage Lern-Pause einlegen werde. ;-) Unsere Hochzeits-Vorbereitungen gehen gut voran – unser neuester Coup ist eine einigermaßen detaillierte To-Do-Liste… Um so wichtiger ist es, parallel an den Examens-Themen dranzubleiben.

Momentan geht es um folgende Schwerpunkte:

  • Mit Wolfhart Pannenbergs »Systematischer Theologie« habe ich mich schon vor einiger Zeit beschäftigt. Im mündlichen Examen will ich mich auf seine Prolegomena konzentrieren – also (nach Karl Barth) die »nicht … vorher, sondern um die zuerst zu sagenden Dinge«. Pannenberg geht es um einen möglichst rationalen Zugang zur Theologie. Die Frage nach der Wahrheit des christlichen Glaubens ist seiner Ansicht nach zunächst offen – und muss dann im Lauf der materialdogmatischen Darstellung Stück für Stück (positiv) beantwortet werden. Somit sind theologische Aussagen zwangsläufig assertorisch und hypothetisch zugleich.

    Klar, dass solche Aussagen den entschiedenen Widerstand Eberhard Jüngels provozierten. Die Auseinandersetzung der beiden lässt sich gut an einem von Jüngel entworfenen Beispiel demonstrieren: »Einen Bekannten«, so Jüngel, »muss ich als Bekannten vorstellen. Ich kann nicht so tun, als ob ich ihn nicht kenne – und dann auch noch denken, das erleichtere dem Gegenüber das Bekanntwerden.« – »Halt«, hält Pannenberg dagegen, »der Vergleich hinkt gewaltig! Ein menschlicher Bekannter wird ja immerhin noch als Mensch wahrgenommen – auch wenn er unbekannt ist. Bei Gott ist das nicht der Fall…da muss ich also viel allgemeiner ansetzen.« Womit Pannenberg durchaus richtig liegt. Und ich bin unentschiedener denn je, was eine persönliche Positionierung angeht. Solche Zwickmühlen bringt unser Studienfach halt auch mit sich…

  • …die zweiten zehn Minuten der mündlichen Systematik-Prüfung über (und das nach fast fünf Jahren Studium…) soll es eschatologisch zugehen. Was nicht nur zu Pannenbergs Sicht der Geschichte passt, sondern auch zum 20. Jahrhundert allgemein. O-Ton Hans Urs von Balthasar: »Wenn für den Liberalismus des 19. Jahrhunderts das Wort von [Ernst] Troeltsch gelten konnte: "Das eschatologische Bureau ist meist geschlossen", so macht dieses im Gegenteil seit der Jahrhundertwende Überstunden.« Ich will mich allerdings auf einen individual-anthropologischen Schwerpunkt beschränken – und mich mit Jüngels These vom »Ganztod« auseinandersetzen: Was passiert mit uns, wenn wir sterben? Überlebt ein Teil von uns, z.B. die unsterbliche »Seele«? Oder sind wir zu 100 Prozent nicht mehr existent? Und wer garantiert dann noch für unsere Identität? Ich habe den Eindruck, dass einem diese Fragen auch im Gemeindealltag relativ häufig begegnen.
  • Meine eigentliche Aufgabe ist jetzt aber die Kirchengeschichte: Bis Ende Februar muss ich fit werden für meine verlängerte mündliche Prüfung – zu den Epochen Dogmengeschichte I bzw. Alte Kirche (mit Schwerpunkt »Marcion«) und »Kirchengeschichte II bzw. Mittelalter (mit Schwerpunkt »Bonifatius«). Hinke meinem persönlichen Lernplan derzeit wenige Tage hinterher – denke aber, dass ich das aufholen kann. Und insbesondere auf die Lektüre von Adolf von Harnacks Marcion-»Biographie« freue ich mich sogar. :-)
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    4 Kommentare zu “Examens-Einblicke VIII”

    1. Dave meint:

      Thema Ganztod oder nicht begegnet einem im Gemeindealltag in der Tat immer wieder. Da gibts jede Menge Anknüpfungspunkte. Was liest Du denn Schönes zu dem Thema?

    2. Daniel meint:

      …vor allem Jüngels Buch “Tod” (von 1971). Als Kontrast vielleicht noch Rahners “Theologie des Todes”. Und dann gibt´s da einen coolen Aufsatz von Kirsten Huxel (2006), der alles recht gut zusammenfasst. :-)

    3. Dave meint:

      ah danke. ich glaube ich entscheide mich für den aufsatz :-)

    4. Alex meint:

      Sehr spannende Themen (zumindest im Vergleich zu Stammformen :) ) ! Dann alles Gute beim Lernen.

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