Ermutigendes »Emerging«

13. Dezember 2007

Die eigentliche theologische Auseinandersetzung mit der »Emerging-church«-»Bewegung« steht sicherlich noch aus. Nicht nur über die hermeneutischen Grundlagen eines Rob Bell in »Jesus unplugged« (in »Ichthys« Nr. 43 rezensiert, wenn auch sehr ungnädig) kann man streiten.

Und doch: Nach der Lektüre von Brian McLarens »A New Kind of Christian«(letztlich über viele Wochen hinweg – ursprünglich hatte ich das Buch nur wegen eines einzelnen Kapitels gekauft) fühle ich mich auf eine ganz neue Weise ermutigt: Ein Evangelium, das den postmodernen Menschen von heute – der gelegentlich auch mal als »bizarre bird« umherflattert – in seiner Lebenswelt erreicht und verändert. Ein Glaube, der die traditionell christlichen Themen Gerechtigkeit, Frieden, Schöpfung wieder aufnimmt, ohne in altbekannt-langweilige Einseitigkeiten abzudriften (der Verweis auf Dietrich Bonhoeffers Unterscheidung zwischen »Letztem« und »Vorletztem« klingt altbacken, darf aber nicht fehlen!). Ich spüre hier eine neue Form von Gottvertrauen – und sehr viel berechtigte Gelassenheit.

Auch mit Blick auf meine berufliche Zukunft – als Pfarrer in einer »frommen« Landeskirche – eröffnet die »Emerging«-Sichtweise ganz neue Perspektiven. In Schönebeck – bei der Tagung der Stiftung Geistliches Leben vor einigen Wochen – hatte ich die Gelegenheit, mich ausführlicher mit einem Gemeinschaftsprediger inausder Lausitz zu unterhalten. Fand es eindrücklich, wie er ganz offen seine Zweifel äußerte, was Sinn und Zweck der sogenannten »Freundschaftsevangelisation« angeht: Ob viele Christen so verbittert sind, weil sie über Jahrzehnte hinweg versucht haben, Menschen für Jesus zu gewinnen…und niemals Früchte sehen durften, weil ihre Herangehensweise nicht stimmte?!

Das war jetzt sehr grob und grundlegend. Wer an differenzierteren Überlegungen interessiert ist, den verweise ich auf die von Simon zusammengefassten Diskussionen im Anschluss an das Emergent-Forum in Erlangen. Wer es noch kontroverser mag, kann sich zu Gemüte führen, was »idea«-Chefredakteur Helmut Matthies zu »Emerging« sagt – um sich anschließend die postwendend veröffentlichte Gegenreaktion (samt Kommentaren) durchzulesen.

 

2 Kommentare zu “Ermutigendes »Emerging«

  1. Hufi meint:

    Ja, die Rezension von Velvet Elvis (wie es jetzt (wieder) heißt) war wirklich sehr ungnädig. Da es jetzt nicht mehr Jesus unplugged heißt, könnte man auch den letzten polemischen Satz streichen, oder?
    Aber egal, es freut mich, dass dich die McLaren-Leküre so positiv inspiriert hat :-)

  2. Peter meint:

    Rob Bell gilt ja als eine Klasse für sich und hält sich mit Bekenntnissen zu “emergent” eher zurück (ist auch völlig ok). Es wäre also gar nicht so erpicht darauf, in Deutschland als Protagonist (oder Watschenmann?) zu erscheinen :-)

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