EKD mit Zukunft

29. Januar 2007

…»3D Bloggen« geht in die zweite Runde. Diesmal werden wir kirchenpolitisch. Dave hat seinen Startbeitrag zum EKD-Zukunftskongress in Wittenberg ganz programmatisch mit »Kirche der Freiheit« überschrieben. Simon (De Vries!) wird wieder für den (sicherlich krönenden) Abschluss sorgen.

Das ist schon komisch bei mir. Ich bin überzeugt, dass die EKD (gerade sie! :) ) Zukunft hat. Meine ersten Glaubensschritte durfte ich in einer herkömmlichen Landeskirchen-Gemeinde machen. Dort habe ich echte Vorbilder kennengelernt. Und dass die enge Verbindung von Gemeinde und Kommune, von Kirche und Kultur enorme Chancen bietet (bei allen Schwierigkeiten…), hätte ich damals noch nicht in theologische Worte fassen können…gespürt habe ich es trotzdem.

Weiß noch gut, wie ich später – während meines Studiums in Heidelberg – auf das Heft zur EKD-Synode in Leipzig 1999 stieß: »Reden von Gott in der Welt«. Wie begeistert ich war, zu merken: Auch die Kirchenleitung weiß um die Relevanz von Mission und Evangelisation. Heute noch gerate ich ins Schwärmen, wenn ich in Eberhard Jüngels Hauptreferat lese: »Wer an einem gesunden Kreislauf des kirchlichen Lebens interessiert ist, muss deshalb auch an Mission und Evangelisation interessiert sein. … wenn Mission und Evangelisation nicht Sache der ganzen Kirche ist oder wieder wird, dann ist etwas mit dem Herzschlag der Kirche nicht in Ordnung.« Amen dazu!

Dann das kurze, aber intensive Wintersemester in Greifswald. Die Erfahrung: Hier wird die Kirche von morgen gedacht. Wissenschaftlich, aber nicht abgehoben. Visionär, aber nicht träumerisch. Mit mutigen Seitenblicken Richtung Willow Creek und Anglikanische Kirche. Und immer mit dem nötigen Praxisbezug: Was ist mit Zweitgottesdiensten? Wie funktionieren Glaubenskurse? Erreicht unsere Kasualpraxis (noch) die Menschen?

…dann kam das lang erwartete Impulspapier »Kirche der Freiheit«. Und mein Elan war wie weggeblasen. – Warum?!

Nein, keine inhaltliche Ablehnung. Klar kann man fragen, ob die Zusammenlegung so vieler Landeskirchen Sinn macht. Und was um alles in der Welt ein »Leuchtfeuer« sein soll. Aber das sind letztlich Detailfragen – und Konkretion bedeutet immer auch Kritik..

Vielleicht ist es eher die pochende Frage: »Bringt das was?!«. Wenn ein kleiner Haufen intellektueller Kirchenleute seine Ideen austauscht (manche sehr engagiert, andere halbherzig) – sickert das durch? In die Synoden, die Dekanate, die Pfarrämter? Auf die Kanzeln? In die Hauskreise, Diskussionsrunden, Jugendgruppen? Eben dorthin, wo Kirche greifbar wird?

So geht es mir durch den Kopf. Menschliches Machwerk – davon gibt es garantiert schon genug…

Doch dann höre ich (via Podcast) die wirklich gute Morgenandacht zur Jahreslosung von Oda-Gebbine Holze-Stäblein (zugegeben – der Name ist unaussprechlich…). Lese, wie Wolfgang Huber in seinem Hauptvortrag die »Freiheit« nicht etwa relativistisch-individuell definiert, sondern als »große Gabe Gottes an die Menschen« (was Zuspruch und Anspruch bedeutet!). Freue mich, dass Eberhard Jüngel in einer Bibelarbeit über Genesis 13 zu mehr Gottvertrauen einlädt. Und merke: Wo es Gott ist, der der Kirche Zukunft gibt – und wo dies dankbar anerkannt und bejaht wird –, da besteht echte Chance auf Veränderung. Da kommt das Evangelium von Jesus Christus an. In den Synoden, den Dekanaten, den Pfarrämtern. Auf den Kanzeln. In den Hauskreisen, Diskussionsrunden, Jugendgruppen. Und – das Wichtigste – in den Herzen der Menschen.

Deswegen: Schade, dass dem Impulspapier ein ausdrückliches theologisches Trostwort fehlt. Aber die Tage von Wittenberg machen auch in diesem Punkt Mut.

»Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.« Johannes 15,5

 

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