Eigene Logik

17. März 2013

Das so genannte Rasiermesser des Mittelalter-Theologen und -Philosophen Wilhelm von Ockham (auch: »Ockham’s razor«) kann weiterhelfen, wenn für ein Phänomen verschiedene Erklärungen zur Wahl stehen: Am Wahrscheinlichsten ist dann diejenige Variante, die mit den wenigsten Hypothesen auskommt, also am Einfachsten daherkommt.

… das erzähle mal einer Arno Geigers, Vater, dem »[a]lte[n] König in seinem Exil« …

Es muss um das Jahr 2004 gewesen sein, da erkannte er plötzlich sein eigenes Haus nicht mehr. Das geschah überraschend schnell, schockierend schnell, so dass wir es gar nicht fassen konnten. Lange Zeit weigerten wir uns zu akzeptieren, dass der Vater so etwas Selbstverständliches wie das eigene Haus vergessen hatte.
Eines Tages wollte sich meine Schwester sein Bitten und Drängen nicht länger anhören. Ale fünf Minuten sagte er, dass er zu Hause erwartet werde, das war nicht zum Aushalten. […]
Helga ging mit ihm hinaus auf die Straße und verkündete:
»Das ist dein Haus!«
»Nein, das ist nicht mein Haus«, erwiderte er.
»Dann sag mir, wo du wohnst.«
Er nannte die korrekte Straße mit Hausnummer.
Triumphierend zeigte Helga auf das Hausnummernschild neben der Eingangstür und fragte:
»Und, was steht hier?«
Er las ihr die zuvor genannte Adresse vor.
Helga fragte:
»Was schließen wir daraus?«
»Dass jemand das Schild gestohlen und hier angeschraubt hat«, erwiderte der Vater trocken – was eine etwas phantastisch anmutende Deutung war, die aber keineswegs jede Schlüssigkeit vermissen ließ.
»Warum sollte jemand unser Hausnummernschild klauen und an sein Haus schrauben?«, fragte Helga empört.
»Das weiß ich auch nicht. Die Leute sind halt so.«

 

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