Ehre – für wen?!

1. Mai 2007

Neulich, im Bibelladen, habe ich spontan zugeschlagen. Markus Spieker: »Mehrwert. Glauben in heftigen Zeiten«. Inhalt und Stil erinnern ein bisschen an Peter Hahnes Bestseller »Schluss mit lustig. Das Ende der Spaßgesellschaft« – die Kernaussagen sind aber noch treffender, finde ich. Spieker kann knallhart werden – nimmt sich dabei aber immer (und das macht ihn erst sympathisch!) selbst mit ins Boot.

Eine Passage (62f) hat mich besonders getroffen:

»Im Auto, wenn das Radio läuft, im Kaufhaus, im Fußballstadion, immerfort wird mir dieselbe Drei-Worte-Botschaft souffliert:
Ich.
Alles.
Jetzt.
Wer sagt, dass alles schon mal dagewesen ist, lügt oder kennt sich nicht aus. Es gab noch nie eine Zeit, die so hyperindividualistisch ausgerichtet war, so maßlos und so auf den Moment fixiert, in der sich die Spirale aus Subjektivismus – Relativismus – Materialismus unaufhaltsam weiter nach unten schraubt.«

…und unter der Überschrift »Sankt Ego« heißt es dann weiter:

»”Du sollst keine anderen Götter neben dir selbst haben”, ist das erste Gebot der Konsumgesellschaft … Nicht Paläste oder Kirchen stehen im Mittelpunkt der Welt des 21. Jahrhunderts, sondern ich selbst. Wie die meisten meiner Mitbürger leide ich an Ego-Thrombose. Mein “Ich” ist geschwollen, meine Bindungen geschwächt.«

…diese Zeilen habe ich am Sonntag gelesen. Am Montag morgen: Eine pointierte Morgenandacht im Bengelhaus – zu Psalm 115,1: Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deiner Gnade und Treue willen!

Ich merke: Nicht nur, aber sicherlich ganz besonders als Blogger bin ich hier gefährdet. »Ein Internettagebuch – was soll das?!« Die Frage ist berechtigt. Vor rund zwei Monaten habe ich gepostet: »Genauso weiß ich um die stets präsente Gefahr, dass ein Blog zur selbstdarstellerischen Ego-Plattform verkommt. Wo das droht, da will ich um so intensiver an die Mahnung Karl Barths denken, dass Theologen – und sicherlich auch Christen allgemein! – nie mehr sein dürfen als der lange Finger Johannes’ des Täufers auf Matthias Grünewalds Isenheimer Altar – und der verweist auf Christus… Ohne ihn gäbe es diesen Blog auch definitiv nicht, das steht fest.«

Kann sehr gut sein, dass ich diesen Vorsatz ab und an aus den Augen verliere. Für kritische Hinweise bin ich dankbar!

 

5 Kommentare zu “Ehre – für wen?!”

  1. Rabbi.Lydia ;-) meint:

    das sind sehr gute gedanken. sind fussballbeiträge zeigefinger-fingerzeige auf jesus? ;-)

    es ist echt krass mit dem bloggen und der selbstdarstellung. gradwanderung.

  2. Annette meint:

    Find ich auch toll, dass du diese Gedanken hier ansprichst und kenne das nur zu gut und muss auch immer wieder meine Motivation hinterfragen. Und die Moleste ist, dass es sich ja nicht nur aufs bloggen beschränkt, sondern sich durchs ganze Leben zieht. Jeder Gedanke, jedes Wort; grad auch in der Kunst oder Schauspielerei ist das oft so schwierig. wann kann ich auch ein Lob annehmen und stolz auf das sein, was ich geleistet habe? Wann ist es ungesunder Stolz und Hochmut und Selbstdarstellung…
    Aber zum Glück gibt es ja auch dazu gute Bücher ;-)

  3. Daniel meint:

    @ Lydia: Bin sicher, dass man im Himmel Fußball spielen darf… ;)

    @ Annette: …und eigentlich müsste man es doch ganz gelassen hinnehmen, wenn Dinge schiefgehen – denn es geht ja gar nicht um die eigene Ehre… Leichter gesagt als getan – zumindest in meinem Fall…

  4. Annette meint:

    In meinem leider auch, Daniel
    Dazu passt das Buch von Donald Miller: Wer braucht schon ein Boot!

  5. Martin Dreyer meint:

    Das Buch ist echt heftig, kann man lesen wie eine Bibel. Ständig so Knallersätze, oder Worte, hat mich auch echt beeindruckt. Ich finde er hat mehr zusagen, als Peter Hahne, obwohl ich das Buch von Peter nur überflogen hab.

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