Echte Erkenntnis?

23. Mai 2011

Er saß im Publikum. Und hörte Johann Sebastian Bachs »Johannespassion«, am Karfreitag in der Zuffenhäuser Pauluskirche. Was er hörte, gefiel ihm sichtlich nicht. Immer wieder Kopfschütteln. Abweisende Miene. Am Schluss Applaus-Boykott.

Was diesem einen Mann durch den Kopf ging? Ich weiß es nicht. Aber er ist mir im Kopf geblieben. Vielleicht war er ja der einzige Zuhörer, der die Passionsgeschichte in ihrer Tiefe begriffen hat.

O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße,
Die dich gebracht auf diese Marterstraße
Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden,
Und du musst leiden.

Petrus, der nicht denkt zurück,
Seinen Gott verneinet,
Der doch auf ein’ ernsten Blick
Bitterlichen weinet.
Jesu, blicke mich auch an,
Wenn ich nicht will büßen;
Wenn ich Böses hab getan,
Rühre mein Gewissen!

In meines Herzens Grunde
Dein Nam und Kreuz allein
Funkelt all Zeit und Stunde,
Drauf kann ich fröhlich sein.
Erschein mir in dem Bilde
Zu Trost in meiner Not,
Wie du, Herr Christ, so milde
Dich hast geblut’ zu Tod!

Nein, in der Tat keine bekömmliche Zwischenmahlzeit für zwischendurch. Kantig und sperrig kommt das alles daher. Nicht das schlechteste Zeichen, finde ich, wenn man daran zu kauen hat. Anstatt anstandslos zu schlucken…

 

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