Durch Raum und Zeit

28. November 2010

Wenn nicht in einer Geist-Garantie – worin besteht die besondere Qualifikation hauptamtlicher Pfarrer(innen) denn dann?! (Anders, ein wenig schärfer gefragt: Wie lässt sich dann eine acht- bis zehnjährige akademisch-universitäre Ausbildung rechtfertigen?)

Christian Grethlein verweist auf den mehrdeutigen Begriff »Evangelium« im Neuen Testament – und auf eine medientheoretische Unterscheidung:

  • Als Inhalt der Predigt Jesu (die wiederum eng auf Jesus Christus bezogen ist) fungiert das Evangelium als »Übertragungsmedium«. Es dient dann der Überwindung räumlicher Distanzen – und daran ist definitiv (und auf vielfache Weise) jeder Christ, jede Christin beteiligt.
  • Als »Evangelium nach Matthäus [bzw. Markus bzw. ...]« jedoch ist das Evangelium ein »Speichermedium« – und kann auf diese Weise auch zeitliche Distanzen überbrücken. Auch für umfassende Bibelkenntnis ist nun nicht unbedingt ein Theologiestudium notwendig. Aber »unter den Bedingungen unserer wissenschaftlich geprägten Kultur«, so Grethlein, sind auch spezifisch »philologische und historische Kenntnisse unerlässlich«. Und genau hier hat das pfarramtliche Aufgabenfeld einen Schwerpunkt.
  • Mir war dieser Ansatz völlig neu. In der Theorie leuchtet er mir ein. Ob die Sache in der Praxis griffig genug bleibt, weiß ich noch nicht. (Und worin besteht die spezifische Kompetenz anderer kirchlicher Hauptamtlicher?) Was meint ihr?

     

    5 Kommentare zu “Durch Raum und Zeit”

    1. birgit meint:

      Aber »unter den Bedingungen unserer wissenschaftlich geprägten Kultur«, so Grethlein, sind auch spezifisch »philologische und historische Kenntnisse unerlässlich«.
      Da hat er recht, der Herr Grethlein!! Und wie!
      Aber: in meiner alltäglichen Pfarrerinnen-Existenz empfinde ich mich mehr&mehr als Priesterin: ich schaffe Räume, in denen Gott, soerwill, spürbar werden kann.

    2. Daniel meint:

      Und was (bzw. wer) befähigt dich dazu? Dein Theologiestudium?

    3. birgit meint:

      Hm. Meine Ordination? Meine Berufung?
      Das Studium ist kritischer Maßstab im Hintergrund – läuft immer mit und durch mich hindurch.

    4. Daniel meint:

      Letzterem würde ich zustimmen. Wobei ich auch Menschen kenne, die völlig echt und unverfälscht Räume zum Glauben eröffnen, ohne Theologie studiert zu haben… Adrian Plass zum Beispiel. :-)

    5. birgit meint:

      Na. Klar. Aber wers hauptberuflich macht, der braucht einen bestimmten Horizont – und zu dem verhilft das Studium.

    Deine Meinung?!