Dritte Narnia-Schicht

11. August 2011

Keine Frage: »Die Chroniken von Narnia« sind auch »einfach so« schon eine richtig gute Geschichte. Man darf sie guten Gewissens (vor)lesen, ohne einen tieferen Sinn darin zu entdecken.

Dass es einen solchen tieferen Sinn gibt, ist indessen offensichtlich. Und insbesondere die biblische Metaphorik fällt auf. Autor Clive Staples Lewis war Christ – und als solcher tief vertraut mit der christlichen Heilsgeschichte. Die Dramatik seiner Erzählung spiegelt das eindrücklich wider.

Das heilsgeschichtliche »Strickmuster« wirkt allerdings insgesamt sehr dünn – dafür, dass es immerhin sieben Bände sind. Wer versucht, die »Narnia«-Episoden allegorisch zu deuten, also zu jedem einzelnen Element die passende »christliche« Entsprechung zu finden, verzettelt sich. Was genau zum Beispiel soll der Auftritt des Weihnachtsmanns in Band 2? Dass der den Kindern Waffen schenkt, – wie passt das zur Friedensbotschaft von Weihnachten? Und in manchen Bänden – zum Beispiel dem vierten: »Prinz Kaspian von Narnia« – scheinen die christologischen Züge Aslans ganz in den Hintergrund zu treten.

Lewis-Kenner Michael Ward, anglikanischer Pastor und neulich zu Gast in »Godpod«-Folge 61, sieht die Ursache für solche »Ungenauigkeiten« (die ganz und gar nicht typisch wären für den exakten Lewis) in einer weiteren Tiefenschicht: Lewis habe seine sieben Narnia-Episoden im Blick auf die sieben Planeten des mittelalterlichen Kosmos (»spiritual symbols of permanent value«) komponiert!

[...] winter passed
And guilt forgiven [...]

…fünf Wörter aus einem Gedicht Lewis’ über Jupiter, die ebenso gut eine Zusammenfassung von »Der König von Narnia« sein könnten. Ausgehend von diesem Zufallsfund hat Ward in seinem Buch »Planet Narnia« – vgl. auch seine umfangreiche Internetseite – sechs weitere Zuordnungen ausgemacht. »Prinz Kaspian von Narnia« zum Beispiel – hier sorgt Aslan für den Sieg im Kampf, indem er die Bäume zum Leben erweckt – steht für Mars, der mit Krieg und (als römischer Gott Mars Silvanus) Wald zu tun hat.

Seit ihrer Veröffentlichung 2008 wird die Idee heiß diskutiert. Mich selbst hat Ward herausgefordert, das Verhältnis von »Astrologie« und christlichem Glauben ein weniger differenzierter zu bedenken (vgl. als ersten Ansatzpunkt Frage 10. in Wards Frequently Asked Questions). Was haltet ihr von der Sache?

 

2 Kommentare zu “Dritte Narnia-Schicht”

  1. Peter meint:

    Danke für den Tipp mit der Website! Vor ein paar Monaten hat N.T. Wright das Buch in einem Gespräch in Marburg erwähnt. Ich denke, es geht hier ja eher um Mythologie als um Astrologie (die freilich eine Menge Mythen auch irgendwie verbrät, ebenso wie sie ja auch psychologisch oder pseudopsychologisch arbeitet…)

  2. Daniel meint:

    …den Eindruck habe ich auch. Vor allem im Zusammenhang mit Lewis. :-)

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