Dreifach daneben

25. Februar 2013

Kaum sind die jüngsten Sexismus- und Rassismus-Debatten halbwegs verstummt, … kommt mir ein altes »Kniereiter-Lied« in den Sinn. Und muss feststellen, dass ich als Kind gleich dreifach verdorben worden bin: Sexismus, Rassismus und auch noch Militarismus in gerade mal vier Zeilen …

So reiten die Damen, so reiten die Damen,
so reiten die Herren, so reiten die Herren,
so reiten die Soldaten, so reiten die Soldaten,
so reiten die Zigeuner, so reiten die Zigeuner!

Auch die vermeintlich zahmere Variante – die in der Fortsetzung statt Soldaten und Zigeunern die Bauern aufführt – werde ich meiner Tocher kaum zumuten dürfen, oder?

 

4 Kommentare zu “Dreifach daneben”

  1. Frau Auge meint:

    Lieber Daniel,
    Du bist ja nun schon länger an diesem Themenbereich sog. “Political Correctness” dran. Und jetzt muß ich doch was dazu sagen.
    Ich meine, dass nicht die Priviligierten (also bei Sexismus Männer, bei Rassismus Weiße, bei Antiziganismus Nicht-Fahrende) die Deutungshoheit in diesen Fragen haben, sondern die von den -ismen Betroffenen. Ich vermute auch, dass es in den paulinischen Gemeinden zB so gehandhabt wurde. Manche der Entscheidungen des Paulus zur AM-Ordnung etc. deuten für mich darauf hin.

    Zur N-Wort-Debatte höre ich persönlich deshalb lieber auf Ishema Kane:
    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/564840
    und nicht auf den weißen, 7fach privilegierten Herrn Greiner von der ZEIT.

    Zum Kniereiter-Vers: stell Dir einfach vor, in der Krabbelgruppe, in der Du diesen Vers einführst, ist auch ein Roma-Vater. Immer noch kein Problem?

  2. Daniel meint:

    Danke für dein Statement, liebe Frau Auge! Ich denke da gerne weiter …

    Natürlich würde ich die erwähnte Strophe niemals in einer Krabbelgruppe einführen oder dulden! Auch (oder gerade wenn) da nur Deutsche versammelt sein sollten. Bleibt die Frage, ob der familieninterne Gebrauch in Ordnung ist. Und auch da wäre ich skeptisch, weil ich die Wortwahl ja derzeit nicht problematisieren kann. Da liegt der Unterschied zur gemeinsamen Kinderbuch-Lektüre mit einer Achtjährigen.

    Dass die Deutungshoheit vorrangig bei den “-ismus”-Betroffenen liegt, sehe ich auch so. (Nicht: »Was ist gemeint?«, sondern: »Was kommt an?«) Mir ist es aber auch wichtig, die Grenzbereiche festzuhalten, auch über die literarische Geschichtsklitterung hinaus. Nicht selten kollidieren doch die Interessen verschiedener Gruppen (ich denke zum Beispiel an klassischen Feminismus und Gender Mainstreaming). Und viele Sprach-Forderungen lassen sich aus rein praktischer Sicht nicht umsetzen (und da denke ich nicht an die »inklusive Sprache«, die ich inzwischen bewusst verwende).

    Meinst du Paulus’ Umgang mit »Starken« und »Schwachen«? Der zementiert ja wiederum eine angenommene Ungleichheit …

  3. Frau Auge meint:

    Ich meinte eher die Regelungen, was und wann und wieviel es beim Abendmahl zu essen gibt. Da haben die Privilegierten (die Reichen) die Nicht-Privilegierten (die Armen) ja dauernd brüskiert, bis Paulus das regelte, wenn ich mich recht erinnere.
    Ich mag eben auch das Reden von der Geschichtsklitterung nicht – niemand verbietet denen, die das unbedingt wollen, ihren Kindern die alten Pipi-Bücher mit N***-König statt Südsee-König vorzulesen. Ist die Luther-Bibel 1984 auch Geschichtsklitterung?
    Ich grüble, warum es bei manchen Privilegierten (ich meine jetzt nicht Dich) eine DERARTIGE Hysterie auslöst, wenn Sprache problematisiert wird. Vielleicht weil sich Privilegien gezeigt haben?

  4. Daniel meint:

    Ja, gute Frage, deine abschließende …

    Was Bibel-Übersetzungen angeht: Die haben ja die Aufgabe, den Urtext möglichst angemessen wiederzugeben. Und dann ist es völlig richtig, wenn neuere Versionen Fehler bereinigen – und zum Beispiel von “Jüngerinnen und Jüngern” sprechen (aber bitte nicht von “Pharisäerinnen und Pharisäern” …). “Geschichtsklitterung” dagegen ist es, Johannes nicht von “den Juden” reden zu lassen. Da finde ich es besser, parallel zu erklären, dass damit die damalige Menge gemeint ist (in der natürlich auch wir gestanden hätten), nebst Hinweisen zur fatalen Wirkungsgeschichte.

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