Dogma

31. Oktober 2008

Im Urlaub, während meiner letzten Studienstiftungs-Sommerakademie, habe ich den Streifen zum ersten Mal gesehen. Inzwischen besitze ich ihn längst selbst auf DVD – und nachdem ich ihn vorhin nochmal mit ein paar Kolleg(inn)en hier im Vikariats-Kurs in Stuttgart-Birkach gesehen habe, hat er es endgültig in meine Top-Ten-Liste geschafft: »Dogma«, einer der berühmteren Filme von Kevin Smith.

Auf den ersten Blick erinnert die Aufmachung stark an »Das Leben des Brian«: Im Comedy-Stil wird (fast) alles »Fromme« auf die Schippe genommen. Die Besucher des sonntäglichen Gottesdienstes machen während der Predigt so gut wie alles – Zuhören ausgenommen. Christlich motivierte, überaus motivierte Abtreibungs-Gegner machen der Protagonistin Bethany das Leben schwer. Doch weiten Teilen der expliziten Kirchenkritik kann ich auch als (zugegeben protestantischer…) Christ viel abgewinnen: Was soll man von einem Kardinal halten, der die »Katholizismus WOW«-Kampagne startet…und u.a. das »bedrückende« Kruzifix durch einen »Kumpel-Christus« ersetzt? (Was auch manche Protestanten gerne hätten…) Was ist mit Müttern, die ihren zweifelnden Kindern ausschließlich mitteilen können, dass »Gott einen Plan« für sie habe? Mitunter dreht Smith zu stark an der Schraube – z.B., wenn eine zentrale Aussage lautet, wichtig sei nicht, wie und woran, sondern dass man glaube (dieser pluralistische Trugschluss bleibt beliebt…). Auch das Sündenverständnis der beiden gefallenen Engel Loki und Bartleby wirkt etwas defizitär – es geht im Christentum eben nicht um die Frage, ob man »anständig« war oder nicht… Aber mir bleiben vor allem die ganz besonderen Motive und Momente in Erinnerung: Rambo Silent Bob wirkt in einem durch und durch »heiligen« Geschehen zunächst ebenso fehl am Platz wie sein dreckiger Freund Jay, dessen trashige Sprache es (leider) in alle Ewigkeit verbietet, den Film jemals öffentlich in der Gemeinde zu zeigen, fürchte ich… Und doch – dass Gott ausgerechnet diese beiden Typen (eigener Aussage nach alles andere als »Jesus-Freaks«) zu Propheten macht (ohne dass sie selbst davon wissen)…passt das nicht zu gewissen Gestalten im Alten Testament? Auch Rufus, der 13. Apostel, der seine Mission primär daran sieht, die Bibel zu berichtigen, die ihn ob seiner schwarzen Hautfarbe verschweige, aber ebenso gerne von seinen alltäglichen Begegnungen mit Jesus erzählt (der auch schwarz gewesen sein soll), verbreitet eine Ahnung von der Menschenfreundlichkeit Gottes, die eben nicht Halt macht vor gesellschaftlichen Grenzen. Ebenso eindrücklich: Oberengel Metatron, der sich bei seinen feurigen Auftritten regelmäßig den Anzug ruiniert, aber zugleich Bethany dabei hilft, ihre Wut auf Gott ehrlich hinauszuschreien…wodurch sie wieder lernt, zu glauben. Die eindrücklichste Gestalt in einem Drama zwischen Himmel und Hölle, Gut und Böse ist letztlich Gott selbst – in der Schlussszene dargestellt von einer Frau (das kann man gut finden, ohne der feministischen Theologie verfallen zu sein!). In dieser menschlich symbolisierten Gestalt vereinen sich in den Schlussszenen Freundlichkeit und Liebe, Heilung und Humor. Ohne dass alle Fragen geklärt wären (Dogmatik und Welt bleiben kompliziert genug…): Ich habe wieder ein Gespür dafür bekommen, wie es sein könnte, wenn ich dann selbst vor Gott stehe kniee – und ich freue mich darauf. Ob Kevin Smith damit gerechnet hätte?!

 

3 Kommentare zu “Dogma”

  1. Hasan meint:

    Es freut mich, dass mein Filmtipp einen so differenzierten und insgesamt doch sehr positiven Eindruck bei dir hinterlassen hat.

  2. christoph meint:

    Ja, find ich toll, dass du so intensiv mit dem Film auseinandersetzt. Ich muss ehrlich zugeben, mir sind immer die anderen Szenen im Gedächtnis geblieben und so tiefsinnig hab ich mich noch nie drauf eingelassen…vlt sollte ich ihn jetzt noch einmal sehen und Kevin Smith mehr zutrauen als großartige Unterhaltung (Clerks, Chasing Amy)!

    Aber ist nicht die Frage, dass wichtiger als das WIE ist, WORAN man glaubt,alles andere als pluralistisch im Gegensatz zur Aussage, dass nur wichtig ist, DASS man glaubt, wie es anderswo manchmal heißt?

  3. Daniel meint:

    …jawohl, Christoph – das wäre doch ‘ne geniale Idee…!

    Und zu deinem Hinweis: Danke! Das hatte ich völlig verkehrt aufgeschrieben – im Film findet sich eben deine Version… Ist korrigiert.

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