Die eigene Beerdigung planen?!

19. September 2007

…weiter geht’s – mit einem neuen Beitrag aus der Serie »3D Bloggen«.

Unsere Runde hat sich etwas reduziert – Dave und meine Wenigkeit sind vorerst auf uns allein gestellt (wer einen halbwegs geeigneten Namen sein eigen nennt, darf sich gerne bewerben!). Simon (de Vries) ist aber in sofern nach wie vor mit von der Partie, dass er jetzt eine spannende persönliche Serie gestartet hat, in die sich unser neues Gesprächsthema passend einfügt – wenn man das Thema »Eschatologie« individuell und ganz praktisch versteht.

Das (bizarre?) Thema verdankt sich einem Artikel, der Mitte 2005 in der Zeitschrift »dran« erschienen ist (und hier zum Download bereit steht): »B…wie Beerdigung«. Joachim Bothe erklärt darin detailliert, warum er seine Beerdigung bereits selbst geplant hat.

Daves erster spontaner Reaktion – »Hä? Wie jetzt?« – folgte ein Blog-Beitrag, der eine grundsätzlich andere Perspektive eröffnet: »Es gibt Menschen, die machen sich zu Lebzeiten schon ihre Gedanken, wie ihre Beerdigung auszusehen hat: welche Lieder gesungen werden, welcher biblische Text die Trauerfeier bestimmen soll, wo die Beerdigung stattfinden soll, wie der Grabstein beschaffen sein soll und vieles mehr. Zu diesen Menschen gehöre ich nicht.« Peter hat ausführlich kommentiert.

Ich selbst muss zunächst feststellen: Ich mag seit vielen Jahren Christ sein – und fast »fertiger« Theologe. Und trotzdem: Das Thema »Tod« verpasst mir nach wie vor ein mulmiges Gefühl. Klar haben wir Christen eine sehr, sehr tragfähige Hoffnung über dieses Ereignis hinaus. Aber der Tod ist und bleibt nun mal »Beziehungskiller Nr. 1«. Und er bringt Schmerz und Verzweiflung mit sich. Definitiv. Denke, es ist wichtig, sich das klarzumachen. Adrian Plass hat das in einigen (stark biographisch geprägten) Texten zum Ausdruck gebracht – auf sehr bewegende Weise, finde ich…

Dieses mulmige Gefühl verstärkt sich, wenn ich an meinen eigenen Tod denke. Vielleicht hängt das mit der Gewissheit zusammen, dass diese Welt – die sich ja nicht selten um mich persönlich zu drehen scheint – auch nach meinem Tod einfach so »weiterlaufen« wird…als ob nichts geschehen sei. Das gilt ja selbst im Fall von namhaften Fußballprofis, u.a. auch für den kürzlich tragisch verstorbenen Antonio Puerta: Einige Gedenkminuten – und dann rollt der Ball wieder. So ist halt das Leben.

Wie viel großartiger klingt da das Versprechen, dass einer an uns denken wird – einer, der dasselbe »Erlebnis« schon durchgemacht hat…und gleichzeitig ein ganz, ganz anderer ist. Dass ausgerechnet Jesus Christus sich an mich erinnern wird – und natürlich nicht nur an mich! ;-) –, das verpasst der Sache einen hellen Hoffnungsschimmer.

Im Theologiestudium liest man häufig von »Dialektik« – meistens dann, wenn Autoren zu bequem sind, zwei Alternativen richtig zu durchdenken. (Beliebt ist auch die »Ellipse mit zwei Brennpunkten«.) Aber im Leben gibt es definitiv Dialektik – und ganz sicher auch da, wo das Sterben gleich zweifach vom Leben gerahmt ist. Während meines Wintersemesters in Greifswald habe ich fast täglich eine Runde über den benachbarten Friedhof gemacht – um dieses Lebensgefühl quasi einzuüben. Es waren höchst eindrückliche Momente, die mich nachdenklich gemacht haben – und zugleich lebensfroh. Mit dem Beter von Psalm 90 würde ich mich gerne mal unterhalten…

…spricht das alles nicht dafür, die eigene Beerdigung zu planen? Auf Nummer Sicher zu gehen – damit auch wirklich alles passt?! Nein, würde ich mittlerweile sagen. Erstens soll mein Tod eine spürbare Grenze bleiben – eine Grenze, an der auch mein Planen und Organisieren ein Ende hat. Und zweitens vertraue ich darauf, dass Familie und Freunde mich dann ausreichend kennen (und z.B. auch ahnen, welche Lieder ich mir wünschen würde…und welche nicht…).

 

3 Kommentare zu “Die eigene Beerdigung planen?!”

  1. Meine Beerdigung. | brunner24.com meint:

    [...] Daniels Beitrag gibt es hier. [...]

  2. stephanie- meint:

    ich möchte dazu sagen es ist eine tolle idee, jeder hat so seine eigene meihnung über tod ,eigene beerdigung.ich habe so meine eigene vorstellung über mein tod nur ich weiß wie ich es gerne hätte. Außer es kommt etwas dazwischen das weiß man nicht . Ich bin zwar sehr jung doch ich weiß wie es sein soll,himmlisch wie ein kahtolischer mensch sterben sollte.nur himmlisch

  3. Tobias meint:

    Ich bin auch noch relativ jung. Trotzdem finde ich es sehr wichtig bereits zu Lebzeiten mit Freunden und Verwandten darüber zu sprechen wie man später einmal beerdigt werden möchte. Niemand weiß wann und wie er sterben wird, aber das man sterben wird ist ganz sicher. Der Verlust eines geliebten Menschen ist für die Angehörigen immer sehr schwierig und nur schwer zu ertragen. Wenn man aber bereits zu Lebzeiten seinen Angehörigen wenigstens mitgeteilt hat wie man beerdigt werden möchte können diese sich an den Wünschen orientieren und müssen sich nicht noch untereinander streiten. Wenn Menschen beerdigt werden müssen die zu Lebzeiten niemals über dieses Thema gesprochen haben kommt es nicht selten zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Angehörigen. Wer seine Beerdigung selbst planen will muss diese nicht unbedingt vorher auch noch selbst bezahlen. Es bleibt auch jedem völlig frei gestellt ob man alles oder nur einzelne Teile planen möchte. Wer zu Lebzeiten einen Vertrag mit dem Bestatter seines Vertrauens macht kann diesen jederzeit wieder ändern oder vollständig widerrufen. Die Angehörigen können dies jedoch nicht. Eine solche Vereinbarung ist fast so sicher wie ein Testament. Außerdem ist es auch möglich noch einen letzten Gruß an die Hinterbliebenen zu verfassen der dann auf der Beerdigung vorgetragen werden kann.

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